Wie ich die Fälle für die Stadt Dortmund liebe. Sie erfordern wenig Konzentration und ermöglichen mir, in unmittelbarer Umgebung der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu ermitteln. Sobald die Ergebnisse abgeliefert sind, muss ich mich nicht weiter drum kümmern. Die Falk, soviel war mir klar, war  mit den Resultaten der Hundekotermittlungen mehr als nur zufrieden. Es war nicht immer so. Bevor ich Ermittler wurde, damals sogar noch im Dienste des Staats, hatte ich so meine Probleme mit Ermittlern. Vielleicht hatte ich sie selbst geschaffen? Rückblickend ist das nicht mehr so einfach auszumachen. 

In den letzten Tagen ballerten sie mich an allen Ecken und Enden mit Anfragen zu den damaligen Problemen zu. In einem Experiment, wie wir es später bezeichnen sollten, hatten wir einige Woche nach dem größten Ereignis des Jahrtausends, die Verhaltensmuster der Medien erforschen wollen und uns somit in größte Gefahr begeben. Vielleicht waren es diese Anfragen, die mich in den letzten Tagen aus den wilden Träumen rissen und mich wieder in die Realität zurückholten. Es war nicht immer nur Fußball, es waren nicht immer nur Ermittlungen. So sehr ich auch den wilden Träumen nachhing, so schwer war es für mich, den Blick von der Realität abzuwenden. Es ist niemals leicht, sagte ich mir. Es gibt niemals nur ein Weg. Doch irgendwann, das wußte ich, hatte ich mir für diesen Weg entschieden und so sehr die Abzweigung der Vergangenheit offenen Wunden glichen, so wenig konnte ich die mühsamen Jahre vergessen machen. Ich bin der, der ich aktuell bin, dachte ich. Die Summe der vergangenen Jahre und die Summe der kommenden Jahre. Meine Vergangenheit ist eure Zukunft, dachte ich aus dem Fenster blickend. Ich beneidete die auf der Straße spielenden Kinder nicht. Sie huschten am Kiosk der Wentraud vorbei. Auf dem Weg in eine ihnen unbekannte Zukunft. 
Ihre Zukunft hatte ich bereits hinter mir und konnte mich somit wieder frei an meine neuen Aufgaben machen. Die Anfragen würden bis weit in den Oktober hinein ohnehin noch mehr, beizeiten also könnte ich mich um sie kümmern. Eine der Anfragen war mir ohnehin bereits ins Auge gestochen. Bis dahin würde jedoch noch genug Petroleum den Hafen hinunterfließen, bis dahin hatte zum Beispiel Amok seine Arbeit immer zielstrebiger ausgerichtet. Etwas, an dem ich aktuell noch zweifelte. Amok hatte sich, das wollte ich nicht in Frage stellen, in den letzten Wochen vom Praktikanten zu einem wertvollen Bestandteil unserer Truppe hochgearbeitet. Gemeinsam mit Piotr überlegte ich bereits, Amok zu einem vollwertigen Bestandteil der Konstrukteure zu machen. Guter Nachwuchs, so Piotr, sei einfach rar gesät. Amoks aktueller Fall hatte ihn in die niedersächsische Einöde verschlagen, ein Fall, der in seiner Tragweite noch nicht überschaubar war, und den ich somit auch noch nicht in aller Öffentlichkeit ausbreiten konnte. Amok hatte mir nur gesteckt, dass es um ein Vielzahl an Schafherden ging, die im Zweifelsfall auch zu Konventionalstrafen führen könnten. Es ging um Laufbereitschaft und Zusammengehörigkeit. Das waren ohnehin die großen Themen Amoks. Er gab einen guten Ermittler ab. Mit Redermann, Amok, dem Auersberger und Lothar, dem Phantom, hatten wir mittlerweile ein gutes Team beisammen. Den großen Herausforderungen der nächsten Woche würden wir gewachsen sein, dachte ich mir. Wieder klingelte das Telefon, wieder nervte Reiser. Es war mittlerweile eine Konstante in meinem Tag. Entweder stand Reiser vor der Tür oder er rief an. Ich fragte mich, ob er überhaupt noch arbeitet. Reiser stellte ich diese Frage nicht. Sollte er sich ablenken lassen. 
amok, ein weiterer konstrukteur?

3 Gedanken zu „amok, ein weiterer konstrukteur?

  • September 6, 2011 um 2:53 pm
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    Leider wieder falsch.

  • September 6, 2011 um 2:32 pm
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    Dembowski war mal wieder echt schlecht drauf an diesem Abend. Instinktiv ahnte er wohl schon, daß er an dem neuen Schafsfall ebenso scheitern würde wie an etwas so abseitigem wie guten Fußballreportagen. Als er dann auch noch beim öffnen der dritten Bierflasche an deren Kronkorken scheiterte, war ihm klar – es wird heute nichts mehr werden! Immerhin hatten ihm gleich zwei Leute geschrieben, mehr als in all den Jahren vorher zusammen. Und vielleicht würde es Amok ja wieder tun. Immerhin.

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