„Fährste eigentlich nach Griechenland, Dembo?“ fragt mich der Typ da auf der Straße. Irgendeiner dieser Jungs, mit denen Kleppinger neuerdings die letzten Wentraud-Tage begeht. Von Tag zu Tag wird die Menschentraube vor der Bude länger. Auch die Wentraud hält nichts mehr hinter dem Schalter. Mit Pils und Kippe steht sie in den letzten warmen Sonnenstunden des Jahres mit den Jungs zusammen und erzählt noch einmal von ihrer großen Geschichte. Der Affenmaskenmann und wie ich ihn in die Flucht schlug. Ohne Frage, eine Top-Geschichte, aber durch ständige Wiederholung längst ausgelutscht. Aber jetzt da sie die Bude zumacht, erspart sie die Wiederholungen 27 bis 84 wenigstens ihrer Familie.

Wieso mich aber einer ihrer Zuhörer jetzt nach Griechland fragt, erschließt sich mir nicht wirklich. Hätte Kleppinger nur die halbe Wahrheit erzählt, und er muss geredet haben, wüsste dieser fiese Mitfünfziger sicher, warum ich seit Wochen nicht mehr im Stadion war und erst recht nicht an eine Auswärtsfahrt gedacht habe. Aber was will man erwarten?

Affenmaskenmanngeschichtenmachenkopfschmerzen und nicht nur die, sondern auch die diversen leergetrunkenen Schnäpse um 16.34 Uhr, denke ich mir und lass die Frage unbeantwortet. Immerhin komme ich über diese Gedanken an das richtige Regal meiner Plattensammlung. Von Haus Aus Allein. Von denen, die immer wieder heimgesucht worden sind. Mit der Leichte Teile, Kleiner Rock in der Anlage brüte ich über den Schlachtplan. Noch einmal gehe ich die Chronologie der Hoppenheim-Ereignisse durch. Irgendein Detail muss ich übersehen haben, irgendwo haben sie sich eine Fluchttür freigehalten.

Immer wieder bleibe ich an der kleinen kicker-Meldung hängen. „Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt, das Urteil gegen den Hausmeister gesprochen und ich aus dem Urlaub, werde ich mich zu dieser Sache äußern.“ Ich lese den Satz immer und immer wieder. Was habe ich übersehen? Mein Blick schweift in Richtung Fenster. Draußen auf dem Fensterbrett gedeiht das Heidegras. Es wird mich durch den Winter bringen. Und über den Winter hinaus werde ich es beobachten. Vielleicht, denke ich, ist Hopp noch nicht aus dem Urlaub zurück. Vielleicht gibt es einfach keine Soundexperten mehr. Immerhin ist die Musikindustrie am Arsch. Vielleicht gibt es einfach keine Musik mehr? Hab mir nun auch lange bereits keine neue Musik gekauft.

Aber, Hand aufs Herz, das kann es nicht sein. Mir dämmert es. Die wollen uns verarschen, die wollen die Sache einfach aussitzen. Erst klauen sie uns mit ihren lächerlichen Begründungen den Ruhm und dann sind sie zu feige, ihre Schuld auf sich zu bezahlen. Gerade diese Feigheit geht mir mächtig auf den Sack. On top: Sie wollen die Konstrukteure lächerlich machen. Irgendwann wird es mir zu bunt, ich rufe Amok an, der sich gerade mit Heidelbeeren rumschlägt. Seine Sätze brennen sich ein: „Echte Konstrukteure geben nicht auf!“ Er verspricht mir, sich sofort in den Süden durchzuschlagen. Griechenland, sagt er, ist ok, aber das hier ist verdammt noch einmal wichtiger. Zum Ende der Woche werden wir was am Start haben, vergewissert er mir. Ich glaube ihm.

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