Heute werde ich ihn mir kaufen. Wer immer das war. Was immer er mit dem Finger bezwecken wollte. Überhaupt keine Frage: Es war ein Er. Es, also er, hatte mir diesen Ringfinger in die Manteltasche gesteckt. An sich schon schlimm genug, aber Es hatte mir damit auch ein perfekten Heimspielsamstag verdorben. Das war jetzt über eine Woche her und ich war nicht wirklich weitergekommen. Zwischen Streitig-, Feier- & Befindlichkeiten, Rubbeldikatz und Flashbacks hatte ich schlichtweg keine Zeit gefunden.

Trotzdem wollte die Sache in der ganzen Woche nicht aus meinem Kopf. Manchmal spielte ich mit dem Finger in meiner Tasche. Manchmal blätterte ich durch die Polizeimeldungen. Kein Wort! Ich träumte von dem Finger. Im Traum sprachen Stimmen: „Du musst die Wurzel finden!“. Die Stimme war eindringlich , die Stimme war immer da. Die Stimme war geschlechtslos. „Du musst die Wurzel finden!“ Reiser ist einfacher zu finden, dachte ich mir beim Aufstehen. Aber Fall war Fall, Ermittlung war Ermittlung und auch ohne die Unterstützung Redermanns war es immer noch ein großartiger Fall. Das ist der Neid. Jedesmal, wenn ich ermittle, findet er alles scheiße. Ich bin es jetzt gewöhnt, es stört mich nicht mehr.

Ich lege die Stone Roses auf. Come to me from heaven, Sally Cinnammon, you are my girl. Ich werde in den Kneipen des Weddings ermitteln. In den Kneipen wird es Schlager geben. Ich werde am Ende des Tages ein anderer Mensch sein. You don’t have to sell your soul! Wenn alles gut läuft, war es das für mich. Schau ohne Zorn zurück. Sie werden mich mit Kusshand nehmen. Sie werden mich wollen und Dörte wird mich wieder wollen. Alles gar nicht wahr! Marzahn, Du Arschloch, Du wolltest nicht.  Die Treppen runter. Sie interessieren sich nur für Koks und ihre Frisuren. Ich interessiere  mich für die Lösung des Falls, für Kronen, Kippen und Kaugummi. Nicht für ihre Verschwörungstheorien. Bewaffne die Einsamen, steig in den Spiegel. Hast genug Zeit, kommst Du wieder raus.

Eid ma clack shaw! Ich trete vor die Tür.  Erste Station: Hexeninsel: I was cautioned to surrender. This I could not do. I took my gun and vanished. Meine Namen habe ich geändert, Kind und Frau verloren. Doch ich hab viele Freunde. In Deinem Kopf, Dembowski, in Deinem Kopf! Und ein paar sind mit mir. In Deinem Kopf, Dembowski, in Deinem Kopf! So nervös. Skippe mich durch meine Sammlung. Skippe mich durch meine Vergangenheit. Skippe mich durch meinen Kopf. Ich wette um den Whiskey in meiner Tasche. Skippe an der Panke vorbei. Die Einkaufswagen in ihr! Die Besetzer am Bundespressestrand. Bald finde ich meinen Frieden. Er wird aus dem Schatten kommen. Da ist immer jemand im Busch. Wenn auch nur die Ratten. Wird es jemals aufhören zu regnen? Reiser? Martin? Die Meisterschalmafia? Wer wird den Regen stoppen? Ich habe die Antworten. Was war in den Masuren? Enon, enon. Lady Dörte, Kinder an Deinen Armen. Rein da. Was bestellen! „Mach ma Schultheiss!“ Für Dörte, für immer vergangen. Wieso hast Du losgelassen? Die Revolution startet jetzt. Wurzeln, blutige Wurzeln. Sonntag, blutiger Sonntag!

Als ich wieder zu mir komme, sitze ich im Oldie Eck und schunkle im Udo-Jürgen-Takt. Der Griechenland-Klassiker! „Jetzt noch moderner, was?“, fragt mich eine Stimme. Ich nicke. Ich würde gerade immer nicken. „Willste was trinken? Ich häng hier rum. Abwechslung, wenn de verstehst? Komaroff, mein Name!“ „Wunderbar! Mach ma Schultheiss!“ „Weißte was fürn Datum is?“ „Klar. Watte. 13. Sonntag, der 13. November“ „Bald Weihnachten. Bald Winter. Hamburg. Ich war in Hamburg!“  „Genau. Bald Weihnachten. War in Dortmund.“ „Ah. Meisterstadt, was?“ „Denn sonst?“ „Nix, frag ja nur. Mach ma ne Runde Pfeffi!“ „Klar, geht aufs Oldie Eck. Geht immer aufs Oldie Eck. Im Vorstadtkneipenschein, griechischer Wein!“ „Woher weißte, dass aufs Haus geht?“ „Bin Ermittler. Gestatten, Dembowski! Kommen we beede aussem Osten, wa?“ „Nix da, bin Berliner. Dembowski, sachste? „Sach ich doch. Dembowski! Aus Doatmund“

„Interessant. Wat ein Namen. Dembowski! Wie ein Stein gemeißelt! Kannste auch an neun Finger abzählen son Namen. Lang nich jehört, dat Ding!“ „9 Finger, Du hastse wohl verloren. Hab nen überzähligen inna Tasche. Wat gehört?“ „Wat soll icke schon jehört ham? Hier im Oldie Eck? War in Hamburg. Bald ist Weihnachten. Die Wurzeln!“

 „Der Tod singt den Blues, kennste?“ „Nee!“ „Sacht man so. Mach noch ma Schultheiss, wa?“ „Aber nen Jedeck, der Herr!“ „Was nochma fürn Tach?“ „Ja. Haste doch gerade noch gewusst!“ „Stimmt. Der Pfeffi. Geh heute nicht raus. Sie nehmen Dein Leben.!“ „Wat fasselste da? Willste Ermittler sein? Wat für nen Leben? So Bling-Blong? Spürste das Kribbeln auch?“ „Wat fürn Kribbeln? Und wat is jetzt mitm Datum?“ „Bling-Blong. Steigt hoch. Die Tiere. Wurzeln.“ „Spannende Kiste, wirklich spannende Kiste, Herr Komaroff!“ „Dembowski. Du bist ne Marke. Ohne Dienst, wa?“ „Wie meinen?“ „Sieht man Dir an. Is weg die Dienstmarke.“ „Die Sonne geht im Osten auf, im Süden nimmtze ihren Lauf, im Westen wirdze untergehen, im Norden istze nie zu sehen. Weißte, Komaroff. Ich war lange im Norden!“ „Prächtiges Bild, der Herr, prächtiges Bild. Mach ma Schultheiss. Aber Gedeck! Bling-Blong“

Irgendwas ist mit diesem Komaroff. Doch ich kann es nicht einordnen. Ich kann nichts mehr, betäubt vom Schultheiss. Aber irgendwas ist mit Komaroff. Hab ich den vorher schon einmal getroffen? Und was ist mit dem Datum? Wieso muss ich das Datum wissen? Hätte ich nicht angefangen, denke ich und sag: „Mach ma Schultheiss. Aber Gedeck!“ Ich zähle schon lange nicht mehr mit. Und dieser rothaarige Kauz auf dem Hocker neben mir, hat sicher noch nie gezählt. „Oldie Eck, Abwechslung. Dat Schultheiss taugt!“ „Jetz sach ma, was mit dem Datum is?“ „Weeß ick doch nicht, hast Du doch jewußt!“ „Aber dat war vor den Gedecks!“ „Saufen kannste, Dir merken wohl nix. Spürste dat Kribbeln auch?“ „Verdammt. Laber nich immer nur Kribbeln. Sach wat heute ist. Is doch was. Kannste mich nicht auf ne falsche Fährte locken. Bin Ermittler, Komaroff! Ich bin der Ermittler! Und ick such da jemand mit nem Finger. Weeßte was?“ „Hab zehn! Hilft dat? Schwackopp! Du musst Deine Wurzeln finden, Herr Ermittler. Dann wird dat vielleicht was.“ „Alter. Ich mein mit ohne Finger. Is dat so schwer. Hat ja jeder Finger. 10! Komaroff. Ich bin vielleicht ne Marke. Aber dat weiß ich wohl.“

Komaroff schaut mich nur an. Ich hab eindeutig zu viel intus. Bekomme kaum noch ein vernünftiges Wort raus. Die Welt werde ich heute nicht mehr verändern. Aber mit diesem Komaroff lässt es sich aushalten. Der denkt strategisch. Der denkt immer an das nächste Getränk. Der bedient die Jukebox bevor Udo Jürgens verstummt. Immer wieder Griechischer Wein. Wie bei der Wirtin. Das waren Zeiten. Mit Redermann. Wentraud. Amok. Kleppo. Wie die alle genannt wurden. „Namen“, schnaufe ich. „Was ist los? Namen! Herr Ermittler, drück Dich doch mal aus!“ „Komaroff. Dat war nich gegen Dich. Dat war meine Vergangenheit!“ „Richtig, Du musst Deine Wurzeln finden!“ „Wie im Traum.“ „Was?“ „Seit dem Finger. Der ab ist. Immer.“ Klar. Sachste jetzt, weil de mir imponieren willst. Vorsicht Schultheiss! Mach ma Schultheiss. Aber Gedeck!“

„War in Dortmund. War Konstrukteur!“ Jetzt ist mir alles egal. Irgendwem muss ich davon erzählen und dieser Komaroff wird bald alles vergessen. „Warte mal. Was ein Gestell. Für die Geschichte! Stach! Bling-Blong!“ Komaroff, getz hör doch mal. Ich war… ähh bin Konstrukteur!“ „Spannend, der Herr, spannend, der Herr. Dachte Ermittler? Am Ende biste wohl gar nix. Und wat is son Konstrukteur? Wat tut der so? Außer saufen. Wie Du aussiehst! Du bist nur am Saufen dran. Hast zu Hause sicher paar Vodka zu stehen“ „Trink nur Whiskey!“ „Aber hier Pfeffi vonna Stange!“ „Willste jetzt hören?“ „Wat denn jetz schon wieder, Ermittler. Wat denn jetzt, Ermittl… entschuldige, bisja Kon-strukt-teuer!“ „Beides. Aus Doatmund!“

 „Wiederholst Dich. Meisterstadt. Hab ich ja gesagt. Bist ne Zecke, sieht man Dir an. Und dann aua, das ist nich gerecht schreien, wenn es ma gegen Euch geht. Wat für Spaßvögel. Bling Blong. War in Hamburg. Weißte. Totenkopp! Geht das in Deinen Kopp rein? In Deinen versoffenen Kopp? Bon Iver. Totenkopp! TipTopTotenkopp, Piraten Der Liebe. Wollen we dat ma hören? Ich finde Frauen stark!“ „Muss ma für kleine Ermittler.“ Nur schnell weg hier. Der Typ war gestört. Erstmal Luft holen. Den Ball treffe ich nicht mehr. Ich muss raus hier. Weg hier. Piraten der Liebe. Frauen find ich stark. Hamburg. Totenkopp. „Typ geht es noch“ ,schrei ich auf dem Weg zurück an die Bar. Doch Komaroff ist weg. Auf die Theke hat er „13.11.2011 – 200x nichts gelernt – K!“geschrieben.

200x nichts gelernt, 200x nichts passiert

Ein Gedanke zu „200x nichts gelernt, 200x nichts passiert

  • November 14, 2011 um 9:18 am
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    So hast Du die Sache also gesehen.. Du .. Du… Dich kauf ich mir bald. Herzlichst

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