Genug sinniert, denke ich mir, als ich am frühen Montag durch meine Mails gehe. Der Tag der Entscheidung interessiert mich nicht mehr, der Tag der Entscheidung war schon lange vorher. Die Pressekonferenz ist nur noch Zugabe, sie wird keine Neuigkeiten bringen und so werde ich sie also behandeln. Ich werde sie ignorieren. 
Das hat jedoch auch noch einen anderen Grund. Ich bin an einer verlockenden Sache dran. Der Lockstoff Geld hat noch immer über Anstand und Moral gesiegt. So auch in diesem Fall. Die Idee ist einfach: Es gibt tausende und tausende Fans von Borussia Dortmund. Wenn mir jeder dieser Fans nur 2€ überweisen würde, wäre ich fein raus. Natürlich machen die das nicht einfach so. Ich muss ihnen einen Anreiz bieten. Nichts einfacher als das, denke ich, während ich mir den Morgenkaffee runterschütte und gelangweilt auf die Straße blicke. Ich appelliere an ihr Fandasein, erkläre ihnen, dass ich mit ihren 2€ eine große Sache schaffen werde, in diesem Fall ein Buch, dort verewige ich dann ihre Gesichter. Vielleicht druck ich das Buch, vielleicht nicht. Den Fall werde ich mir in den AGBs natürlich offen lassen.
Im Webseitenbaukastensatzkurs habe ich gelernt, wie man so eine Seite erstellt, doch an diesem Morgen kommt mir jemand zuvor. Da ist sie wieder – die Rote 1 – ich öffne die Nachricht und siehe da: Meine Idee gibt es schon. Die Erklärungen sind einfach, die Idee, die ja eigentlich meine Idee ist, wasserdicht und perfekt. „Wir geben den Fans ein Gesicht – Sei ein Teil von etwas ganz Großem!“ So soll es sein, denke ich. Sogar an den guten Zweck haben sie gedacht. 10% fließen an einen guten Zweck, wohin ist natürlich noch nicht klar, aber so ein guter Zweck kann alles sein, das weiß ich. Meine Aufgabe bei der Sache ist nun klar definiert: Öffentlichkeit schaffen. 
Öffentlichkeit beginnt bei mir in der Kneipe. Mit meinem Partnerdeal, der mir immerhin 1€ / Kontakt verspricht, in der Tasche, verabrede ich mich mit Reiser. Endlich gibt es wieder einen Grund, mit dem Jungen einen zu trinken. Auch am Telefon klingt alles super, er fährt gerade seinen Nuri-Film, flüstert nur: „Bin gerade mit der Gang anstoßen, komm später rüber. Alles tutti.“ Während ich also auf Reiser warte, kläre ich nebenbei den Affenmannmaskendiebstahl auf. Er wird keine Konsequenzen haben, dafür war die Maske an sich einfach zu wenig wert. Es ist jedoch stets ein großartiges Gefühl, einen Fall, und es sind nun meist nicht gerade die einfachsten Ermittlungen, zum Abschluß zu bringen. Darauf gibt es ein Bier und ein Gedeck und eine Ernte. Im Fernsehen laufen alte Grand Prix Aufzeichnungen in der Dauerschleife. Eigentlich nur die Ebstein mit ihrem Wunder-Lied.  Als Reiser eintrifft, bin ich schon gut angetrunken. 
„Reiser. Folgendes: Du musst mir einen Gefallen tun! Ich bin da an einer großen Sache dran. Fans bekommen Gesichter, die Mannschaft ein Buch und ich ne Menge Kohle. Hört sich doch gut an!“ Ich erkläre Reiser den Sachverhalt. Er wirft ein: „Du bist sicher, dass hinter der Sache nicht Martin steckt? Der ist immer noch sauer auf Dich. Und das kann ich verstehen.“ „Natürlich nicht, alles gecheckt. Einmal, zweimal, dreimal.“ Ich zähle ihn an. Reiser hat ebenfalls gut getankt. Irgendwie jedoch finden wir einen Deal. Er wird bei Gelegenheit, und wenn es passend ist, auf diese MEGA-FAN –Aktion aufmerksam machen. Momentan, erklärt mir Reiser, gäbe es leider eine Menge anderer Anfrage, die natürlich auch höchste Priorität genießen würden.  So sei Die Stimme immer noch auf der Suche nach einem Statiker. Ohne Statiker kein Iglu und ohne Iglu kein Monument,  wiederholt er. Und dann wäre da noch mein Meistersong, da sei man gerade an einem namhaften Produzenten dran, der durchaus Interesse hätte.
Zufrieden gehe ich nach Hause. Meistersong in der Tasche und Partnerlinks ohne Ende. Ich verschicke ein paar Mails an Fanclubs.
100.000 freunde für 1 euro