Herr Dembowski. Toll, dass wir Sie erwischen. Wo treiben Sie sich rum?

Sommer, Sonne, Spaghetti-Eis! Meine Zeit. Im Il Glaciale am Kollwitzplatz natürlich. Ideal. Später noch ein Schulle bei Schill. Alles super.

Das dominierende Thema der Woche: Der Dortmunder Pokalsieg. Wie haben Sie ihn erlebt.

Begeistert. Eine dominante Vorstellung der Dortmunder Borussen, die nur für kurze Zeit ihren Rhythmus verlor. Das war verständlich. Die tragische Reus-Verletzung bereits in der achten Minute raubte den Spielern den Verstand. Wieder einmal hatte es den Leitwolf erwischt. Aber, wie so oft in dieser Saison, ließen sie sich auch von Rückschlägen nicht erschüttern. Der BVB war in dieser Saison der verdienteste Pokalsieger aller Zeiten.

Vor dem Spiel aber kam es zu unschönen Szenen im Olympiastadion. Die gegen den DFB gerichteten Schmähgesänge waren dem Rahmen eines solchen Spiels nicht angemessen.

Da sagen Sie was. Wie ich von meinem Platz aus beobachten konnte, stimmten ein paar Leute im Stadion nicht in den ansonsten sehr gut vorgetragenen „Scheiß DFB“-Wechselgesang mit ein. Inhaltlich habe ich dazu keine Meinung, aber ich fand schön zu beobachten, wie sich die Fans beider Klubs in so einem wichtigen Spiel hinter einer Idee vereinen, und auch den neutralen Zuschauer emotional abholen.

DFB-Präsident Grindel hingegen sprach in der Bild von einem Sabotage-Akt.

Den Präsidenten hat das natürlich schwer getroffen. Der DFB ist ja nicht erst seit dem Sommermärchen 2006 der beliebteste Verband der Welt. Noch einmal: Was soll man inhaltlich groß dazu sagen. Es war eine wichtige Verbrüderung der Fanszenen. Dieses Spiel wurde nicht von Krawallen überschattet, sondern von einer selten gesehenen Einigkeit getragen. Beide Fangruppen überzeugten weiterhin mit wunderbaren Licht- und Raucheffekten, dazu wussten die Frankfurter auch noch mit einem starken akustischen Darbietungen ein paar der neutralen Besucher auf ihre Seite zu ziehen. Es war ein rundum gelungener Abend im Berliner Olympiastadion.

Auch für Helene Fischer?

Auch für Helene Fischer, die ihren Auftritt sichtlich genoss. Er brachte ihr viel Aufmerksamkeit.

Kommen wir noch einmal zurück zur Dortmunder Borussia. Was hat Sie an diesem Abend so richtig beeindruckt?

Die Mannschaft. Von der Saison mitgenommen, von Verletzungen gebeutelt schleppte sie sich auf das Siegerpodest. Man konnte den Spielern ansehen, wieviel dieser Moment diesem Team bedeutete. Julian Weigl auf Krücken. Marc Bartra mit einer Schiene. Marco Reus mit ein bisschen Kreuzband, Marcel Schmelzer mit einer Oberschenkelverletzung. Dahinter, am Rand versteckt, der Trainer Thomas Tuchel, der sich Woche für Woche neuen Attacken ausgesetzt sah, der aber nicht aufgeben wollte, auch er wollte diesen Pokal. Diese Mannschaft also, die einer Halbserie mehr erlebte als die meisten Vereine in ihrer bisher achtjährigen Geschichte, setzte sich gegen alle Widerstände durch und gewann den Titel. Das kommt mir aktuell ein wenig zu kurz.

Sie spielen auf die Entlassung des Erfolgstrainers Thomas Tuchel an?

Das ist richtig. [Dembowski seufzt]

Haben Sie dazu eine Meinung?

Er musste gehen. Sein Weg in Dortmund ging nicht mehr weiter. Das dürfte allen klar sein.

Was sagen Sie zu der sogenannten Schlammschlacht?

Sie wirft ein schlechtes Licht auf den Ballspielverein. Die beiden Parteien haben sich mit dem Anschlag auf das Team einen unwürdigen Schauplatz für ihre unterirdische Seifenoper ausgewählt. Dort am Ort des Anschlags wurde die Trennung vollzogen und am eigentlichen Ereignis wird nun erst von Vereinsseite und in der Folge von Trainerseite der Bruch diskutiert. Spieler werden in den Dreck gezogen, Informationen gestreut. Es ist ein Kindergartenstreit über ein potentiell fatales Ereignis.

Der Streit wird über die Öffentlichkeit ausgetragen.

Sonst würden wir davon nichts mitbekommen. Die Medien lassen sich auch nicht instrumentieren, denn sie lieben das Spiel. Sie befeuern den wahnwitzigen Hass auf den, der die Vereinskultur mit Füßen getreten hat und sie heben den Analytiker über den kaltblütigen Vereinsboss, dem es schon lange nicht mehr um echte Liebe, sondern nur noch um echte Kohle geht.

Sie erwähnen den wahnwitzigen Hass.

Der, um bei der Wahrheit zu bleiben, auf beiden Seiten da ist. Generation Social Media ist versorgt. Im Minutentakt befeuert jemand die Maschine. Immer neue Einzelheiten werfen immer neue Gräben auf. Ich muss Ihnen gestehen: Ich habe den Überblick verloren. Und jetzt auch keine Zeit mehr: Die Sahne unter dem Vanille-Eis schmilzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sie sollten das wirklich mal probieren. Was ein Eis!

wie war das pokalfinale, herr dembowski?