Manchmal, wenn die Zeit drängte, war es lebensnotwendig, eine möglichst abseitige Meinung zu haben. Dass Dembowksi diese gerne lieferte, hatte sich rumgesprochen:

Seine Kommentare erreichten Millionen, sie bohrten sich tief in die Herzen seiner Leser. Er erweiterte ihren Horizont.

Als der BVB einmal Henrikh Mkhitaryan verpflichten wollte, wurde Dembowski klar: Der melancholische Armenier brauchte dringend Unterstützung:

 

FREE AGAIN – MKHITARYAN VOR BVB-COMEBACK

Henrikh Mkhitaryan bleibt stehen, schaut dem Ball hinterher, schnalzt mit der Zunge. Sein Pass verfehlt Marcus Rashford um nur 20 Meter. Eine Annäherung, denkt er. Aus dem Augenwinkel beobachtet der Armenier seinen Trainer Jose Mourinho. Lange schon haben sie nicht mehr miteinander geredet. Viel wird nicht mehr kommen.

An diesem Abend im Old Trafford steht sein Entschluss längst fest. Mkhitaryan will zurück in seine sportliche Heimat, zurück ins Westfalenstadion, dem Ort seiner größten Triumphe. Für ein Jahr hatte er dort zwischen 2015 und 2016 die Welt in Atem gehalten. Seine Schnelligkeit, sein Auge, seine Bälle – das hatte man seit Andreas Möller nicht mehr in Dortmund gesehen!

Aber das Glück blieb flüchtig. Hätte er nur schlecht gespielt. Aber so beugte sich der Dortmunder Mittelfeldstar seinem Agenten Mino Raiola, der mit Manchester United den Sommer seines Lebens verbrachte. Mkhitaryan, Paul Pogba und Zlatan Ibrahimovic in Englands Mitte transferierte, und sich genüsslich über seinen Bauch strich.

Einmal traf er seine Jungs noch. Das war in China. Kurz nach seinem Abgang. Man lachte und scherzte. Danach lachte er nie wieder. Er vermisste Aubameyang, er vermisste Reus und den jungen Pulisic. Daran denkt Mkhitaryan dort unten im Theatre of Dreams, das für ihn nie mehr als eine Nebenrolle bereithielt. Er blieb der Bauer in Raiolas Schachsspiel. Für mehr, das wusste er, fehlte es ihm an Ausstrahlung, an Gier, an Machtbesessenheit.

In Dortmund aber würde er wieder glänzen. Seite an Seite mit Reus, mit Pulisic, mit Aubameyang und Yarmolenko, den er noch aus alten Donezk-Tagen kannte. Ein guter Spieler. Er freute sich auf das Westfalenstadion, das Trainingsgelände an der Adi-Preissler-Allee. Es war seine Heimat. Nicht noch einmal würde er sich von Raiola treiben lassen. Geld bedeutete ihm nichts mehr. In seinen letzten Karrierejahren wollte er noch einmal glänzen.

Die Fans, das war ihm klar, würden das nicht verstehen. Für die echten Borussen hatte er den Verein wie Abschaum behandelt. Dass es nicht an ihm, sondern an seinem Berater gelegen hatte, konnte er ihnen nicht erklären. Ein Fußballer ist außerhalb des Platzes kein freier Mensch. Ein Fußballer ist eine Kapitalanlage. Doch ein eingesperrter Fußball konnte keine Leistung bringen.

Dortmund bot ihm alle Freiheiten. Er würde zurückkehren, die Herzen der Fans gewinnen und den Ballspielverein in eine goldene Zukunft führen.

Die Liste der Argumente gegen eine Mkhitaryan-Rückkehr ist lang. Sie handelt nahezu ausschließlich von Befindlichkeiten. Um sportliche Stabilität zu garantieren, um den BVB wieder unberechenbarer zu machen, aber ist sie zwingend erforderlich.

 

Dembowski legte Alex Chilton auf. Er hielt ihn für ein Genie. Er bot den Text an, fand keine Abnehmer. Dann widmete er sich wieder wichtigeren Dingen.

free again – mkhitaryan vor bvb-comeback