Geht gut los diese Spielzeit. Dank Länderspielpause konnte sie sich aller Zwänge entledigen. Die 90 Minuten? Zählen nicht, wenn es sie nicht gibt. Deswegen: Aufbruchsstimmung hier! Abgesänge da! Willkommen im Internationalisierungsprozess!

 

„Europa zerbricht“, schlagzeilt der kicker am Montag, und zeigt die neuen Wege der Champions League auf. Noch mehr Geld für noch weniger Vereine. Das finden diese wenigen Vereine natürlich super, und der große Rest weniger. Diese wenigen Vereine sind die größten Traditionsklubs ihrer Länder: Bayern München, Barcelona, Juventus, Real, Manchester United. Sie alle haben in der Vergangenheit Pokale gewonnen. Sie alle werden in der Zukunft dafür bezahlt. Sie sind die Champions League.

 

Noch mehr Geld für noch weniger Vereine bedeutet auch mehr Geld für alle Vereine, sagen die wenigen Vereine, die in Zukunft noch mehr Geld bekommen werden als die Vereine, die mehr Geld aber eben nicht noch mehr Geld bekommen sollen.  Deswegen profitiere doch jeder, rechnet Karl-Heinz Rummenigge am nächsten Tag vor, und bittet alle, ihm zu glauben. „Denken Sie an Gent!“, fleht er.

 

Das Problem: Niemand außerhalb seiner Kreise glaubt ihm. Sogar der Express fordert nun den Rauswurf der Bayern. „Sollen die Großen doch ihre eigene Liga gründen“, sagt auch SC Freiburg-Präsident Fritz Keller im kicker. Anders als die Champions League-Vereine wird der Bundesliga-Neuling nicht mehr Geld bekommen, sondern nur etwas mehr Geld, vielleicht sogar etwas mehr als nur etwas mehr Geld, dafür muss der Liga-Verband jedoch erst die lästigen Zweitligisten ruhigstellen, die auch zumindest ein wenig mehr Geld bekommen wollen, und sich dabei auf die Solidargemeinschaft berufen wollen, dabei jedoch auf den Widerstand der Erstligisten stoßen, die trotz des neuen Millliardenvertrags ihre Arbeit nicht ausreichend honoriert sehen. Jeder will mehr. Viel mehr. Weil es immer mehr gibt. Nicht nur in Deutschland, auch in England, Spanien und in Europa. Die, die weniger als die wenigen Vereine bekommen werden, drohen mit einem Aufstand.

 

Schnappschuss:

 

Marketing-Fachmann Oliver Bierhoff kritisiert die Kritik der Liga-Platzhirsche an den ausufernden Marketingaktivitäten der Nationalmannschaft.

 

Szenenwechsel:

 

Innerhalb zweier Ausgaben veröffentlicht die Sport Bild zehn Seiten voller vermeintlicher Insights über den aufstrebenden Getränkehersteller Red Bull, der sich nicht nur im Fußball und der Formel 1 um den Sport verdient gemacht hat. Jede dieser Seiten bekommt einen kleinen Bullen geschenkt.

 

In der zweiten Ausgabe ruft das wenig respektierte Fachmagazin den neuen Klassenkampf aus. RB Leipzig gegen den BVB aus. Transferminusrekord gegen Transferrekord. Geld gegen Echte Liebe. Der moderne Fan gegen den Ultra-Fan. Die Zeitung spart an nichts, schon gar nicht an Zitaten besorgter BVB-Fans, die die Ultras als Wurzel aller Probleme ausgemacht.

 

Die, und viele andere Fans, hören sich am Samstag das Spiel in der Roten Erde an. Weil sie Fußball lieben.„Wir sind der Volksssport Fußball“, sagen sie und werden von wieder anderen, die fragen, ob es nur eine Art gibt, den Fußball zu lieben, nicht verstanden. Die Wiedereinführung des Begriffs Volkssport, und ihr Verein, der erste börsennotierte Verein der Liga, der den Spagat zwischen Borsigplatz und Shanghai schaffen will, immer neuen Umsatzrekorden nachjagt, um noch mehr Geld und nicht nur mehr Geld zu bekommen, um zu überleben im Zeitalter der Superclubs.

 

Das Red Bulletin verkündet: Alles okay! Es war schon immer so! Mehr Geld! Mehr Spaß!

 

Die Süddeutsche sieht den Wettbewerb gefährdet.

 

Schnappschuss:

 

Der FC Barcelona eröffnet ein Büro in New York.

 

Endlich Krieg
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