Die Winterpause endet in weniger als einer Woche.  DID-Boss Dembowski blickt zurück und voraus. Wir trafen ihn bei Hauke an der Eberswalder. Der Ermittler trinkt Tee, schaut auf die Menschen, und dann auf uns.

Hallo Dietfried! Schon aufgeregt?

Und wie. In sieben Tagen geht es los. Die Rückrunde beginnt mit dem letzten Spiel der Hinrunde. Die  Bayern bei den Freiburgern. Da werden Erinnerungen wach: Spanring, der Kanzler, Cardoso mit dem Doppelpack, Jorge Heinrich. Schmadtke im Tor, Jens Todt der Ideengeber. Paschalis Seretis kommt für Spies. Jean-Pierre Papin geht duschen. Später das Golfball-Attentat. Kuffour schon längst vom Platz. Der blutüberströmte Kahn. Ein Elfmeter kurz vor Schluss. Und immer wieder Finke, um Ausgleich bemüht. Dazu Uli Hoeneß, der Überlebende eines Flugzeugabsturzes, der den Abend wegmoderiert. „So etwas kann in jedem Stadion passieren“, vermutete er, und sah ausdrücklich in die Zukunft. Danach: Herzschlagfinale in Unterhaching. Ballacks Eigentor. Bayern wurde Meister,  Freiburg hielt die Klasse, der Attentäter, ein Hauptschüler, wurde nicht mehr glücklich. Das System Fußball funktionierte. Herrliche Erinnerungen. Jetzt kommt es zum Duell Streich gegen Hoeneß. Die moralischen Koordinaten dieser Republik.

Danke für die Einschätzung. Blicken wir aber noch einmal zurück auf die Winterpause. Was macht der BVB?

Er hat jedes Maß verloren.

Kannst Du das erklären, Dietfried?

Eine komplette Halbserie treiben Fans und Medien den Verein vor sich her. Tuchel, sagten alle, habe sich zu erklären. Das machte er natürlich bei seinen Pflichtterminen, nur wenig geschickt und zugänglich. Jetzt öffnet er sich, und macht alles nur noch viel schlimmer. Beim WDR liefert er uns ein Rührstück. Champagner und Erdnüsse sind die Eckpfeiler seiner Exzesse, Fast Food gibt es nur in der Dunkelheit. Was soll uns das sagen? Dann legt er nach: Schürrles Anpassungsprobleme hier, Gündogans Abschiedsworte dort. Sogar seine Frau bekommt einen kurzen Auftritt. Wofür er steht, das wissen wir immer noch nicht. Das aber wäre doch interessant.

Er will nicht vor der Tribüne stehen. Daran ist doch nichts auszusetzen.

Ja. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist: Wie kann Tuchel eine Mannschaft formen, die auch ohne die drei Abgänge und ohne die verletzten Spieler immer noch eine enorme Qualität hat. Wieso hat der BVB im Sommer so viel Wert auf die Offensive, und so wenig Wert auf die Defensive gelegt? Der BVB ist einer ganz, ganz schwierigen, und gefährlichen Situation.

Wieso?

Die Winterpause war eine Katastrophe. So viel Hoffnung wurde in eine echte Vorbereitung gelegt. Und die Stimmung ist nun noch schlechter. Reus ist verletzt, Guerreiro bleibt labil, Bürki immer noch nicht da. Das sind die Ausreden, die vielleicht nicht einmal welche sind. Es ist ein Drama! Die ersten zwei Spiele führen den Ballspielverein nach Bremen, nach Mainz. Sechs Punkte sind Pflicht. Danach kommen die Underdogs aus Leipzig. Es könnte Tuchels letztes Spiel im Westfalenstadion werden. Was an der Oberfläche noch glatt wirkt, ist darunter längst brüchig. Ich lege mich fest: Holt Tuchel nicht drei Siege aus den ersten drei Spielen, wird er nicht bis zum Ende der Saison in Dortmund bleiben. Das Erreichen der sportlichen Ziele wäre dann in absoluter Gefahr.

Übertreibst Du Da nicht?

Nein. Der BVB kann sich kein Jahr ohne Champions League erlauben. Vorne sind bereits neun Mannschaften enteilt, und in Deutschland wird aktuell ein dritter Leuchtturm errichtet. Er wird aus Aluminium sein und dieser Liga schnell entwachsen. Die Dose ist die ideale Verpackung für den Transport.

 Wie meinst Du das?

Ein Aluminiumturm ist wegen seiner Beschaffenheit und seines geringen Gewichts leichter zu verpflanzen. Der Verein, wir reden hier von Leipzig, das muss ich aber nicht extra sagen, hat keine historische Bindung an die Bundesliga, und betrachtet diese daher nur als Durchgangsstation in eine weltweite Zukunft. Was ich meine: Kommt die Europaliga, und wenig später die Weltliga, die bis spätestens 2030 entstehen wird, sind die Leipziger schon wieder weg.

Erst einmal kommt aber die 48er-WM.

Ein letzter, verzweifelter Versuch, diesem Turnier so etwas wie Bedeutung zu verleihen. Der Fußball hat die Staatsgrenzen längst überwunden. Die großen Mannschaften sind Barcelona, Real, United. Lionel Messi ist Barcelona, Cristiano Ronaldo ist Real, Franck Ribery, Arjen Robben sind Bayern. Thomas Müller ist Deutschland.  Ich will sagen: Eine WM mit Staaten hat keine Bedeutung mehr, da kann man ihr zumindest in den kleinen Ländern neue Bedeutung einhauchen. Letztendlich hätte nur eine radikale Komprimierung auf eine dreimonatige Qualifikationsphase mit sich anschließendem Turnier für eine neue Welle der Begeisterung gesorgt. Das ist nicht passiert, das wird auch nicht passieren. Zu unsicher für Sponsoren, zu unsicher für die TV-Anstalten. Die Champions League, die zukünftige Europaliga also, schafft diese Sicherheit, die Weltliga wird sie auch schaffen. Closed Shop schlägt offenes System. Das ist doch klar.

Erleben wir also die letzten großen Weltturniere in Russland und in Katar?

Ja. Eine zutiefst deprimierende Vorstellung.

Was wird uns dort erwarten?

Wie soll ich das jetzt schon sagen? Was ich sagen kann: Der ehemalige britische Geheimdienstmitarbeiter Christopher Steele erarbeitete sich seine Glaubwürdigkeit, die nach den letzten Enthüllungen von CNN und Buzzfeed nun zu seiner Flucht führten, auch durch sein Mitwirken am großen FIFA-Skandal. Auch seine Informationen führten letztendlich zum Ende von System Blatter. Dass darauf das System Infantino folgte, dafür können wir Steele nicht verantwortlich machen.

Steele und Russland. Ja, das ist eine tolle Gesichte.

Russland ist ohnehin eine wunderbare Geschichte. Putin als Schurke, Steele als Bond. Das ist nur ein Aspekt. Staatsdoping, die Erinnerung an Sotschi 2014 und die Folgen auf der Krim. Valcke und Blatter mit einer Luxusyacht im Hafen von Sotschi. Der EU-Boykott, dafür der staatstragende Reinhard Grindel, Marketingfachmann Oliver Bierhoff und ein sabbernder Pressetross, der für die Dauer des Turniers alle Probleme ausblenden wird, auch weil er diese ausblenden muss.

Und Katar?

Die machen Fortschritte. Der FC Bayern war wieder vor Ort und stößt mit seiner Präsenz wichtige Reformprozesse an. Sogar der OK-Chef hat sich den deutschen Medien gestellt und auch kritische Fragen beantwortet. Das zumindest berichtete Uli Hoeneß in der Schweiz. In Deutschland haben wir davon nichts mitbekommen. Dafür ist nun ein heftiger Streit über die klimatischen Bedingungen auf der iberischen Halbinsel ausgebrochen. Dort hat es 2010 einmal geschneit, und Hoeneß hat davon noch am Montag im kicker gelesen, nur das Jahr übersehen. Eine kalkulierte Ungenauigkeit, die von der eigentlichen Problematik ablenkt.

Hoeneß hat es Dir angetan.

Ich finde es unerträglich, wie dieser nun wieder hofiert wird. Carlo Wild mit Weichzeichner, dazu die Burger-Nummer in der Sport Bild, die natürlich wieder Bilder verfestigt. Nicht einmal einen Burger haben sie dem reuigen Sünder, der nur aufgrund einer Selbstanzeige auf sich aufmerksam gemacht hat, in den Knast schmuggeln lassen. Noch in diesem Jahr wird Hoeneß wieder in Talkshows sitzen. Seine Vergangenheit wird dann kein Thema mehr sein, seine politischen Ansichten, seine moralischen Vorstellungen hingegen schon.

Eigentlich wolltest Du nicht mehr über Bayern reden.

Stimmt. Wollen wir über Leipzig reden?

Nein.

Zum Glück. Die machen mich komplett fertig. Aber immerhin kippt da gerade die Stimmung. Die Zeit arbeitet erst einmal gegen sie, aber leider nur kurzfristig. Das hatte ich ja vorhin schon erzählt.

Blicken wir kurz auf die anstehenden 18 Spieltage. Wer steigt ab?

Frings und Hamburg.

Wer geht in die Relegation?

Ingolstadt, steigen auch ab.

Was machen die Blauen?

Die amüsieren mich. Kaufen Burgstaller, leihen Badstuber, verlängern keine Verträge. Bieten Meyer, Goretzka keine Perspektive. Ich lege mich fest: Gelsenkirchen ist für Heidel eine Nummer zu groß. Sie werden sich nicht für Europa qualifizieren, und in den nächsten Jahren bedeutungslos werden.

Was macht Gladbach?

Hecking und Eberl sind bereits ziemlich beste Freunde, da muss man sich dann auch nicht so aufs Sportliche konzentrieren. Sie werden im unteren Mittelfeld eine gute Rolle spielen, Hecking uns mit seiner alten Sprache überzeugen. Ich mag ihn.

Wo landet Leverkusen?

Noch eine Sternstunde der Bedeutungslosigkeit. Viertelfinale der Champions League. Brian, The Lion wird noch stärker in den Fokus rücken, Schmidt, dieser Jahrhundertrainer nicht.

Hahoherrlich?

Platz 5. Knapp hinter Leipzig, knapp vor Köln.

Der Ballspielverein?

Auf Platz 7, Pokalsieger, CL-Halbfinale mit Farke.

Frankfurt

Vizemeister. Zuhause nur noch Fallobst, auswärts mit einigen überraschenden Erfolgen. Sie spielen sich in einen Rausch. Das freut mich für Kovac, das beweist aber auch nur, wie wichtige Trainingslager in Katar, in den VAE sind. Der BVB hat sich von seinen eigenen Fans austricksen lassen.

Wer wird Meister?

Was ist das für eine Frage.

Was ist mit dem DID POWER RANKING?

Das kommt wieder. Regelmäßig.

Eine persönliche Frage noch. Was macht der Oberschenkel?

Er schmerzt. Aber es wird wieder.

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