Hallo Dietfried. Schön, dass Du wieder mal Zeit für uns hast.

Es ist die Adventszeit. Es herrscht Frieden. Zumindest in mir. Das kann ich beeinflussen.

 

Das freut uns für Dich, Dietfried. Blicken wir auf die Liga. Der Ballspielverein beeindruckt in Madrid.

Das stimmt. Eine wunderbare Leistung. In der ersten Halbzeit noch etwas sloppy, ungenau, eigentlich eine durchgängige Unkonzentriertheit. Casemiro grätscht Castro, der durch das Mittefeld spazieren will, den Ball weg. Die perfekte Balleroberung. Ich liebe das. Daraus entsteht eine große Chance, und viel mehr. Ein Sinnbild. Real aggressiver, Real fokussierter, der Ballspielverein talentierter, ballverliebter, nur eben in den entscheidenden Momenten nicht auf der Höhe. Nicht auf der Höhe beim letzten Pass, nicht auf der Höhe beim Pressing. Schmelzer geht drauf. Schürrle, eine einzige Enttäuschung, bleibt stehen, beobachtet seinen alten Teamkollegen. 1:0.

 

Was ist in der Pause passiert?

Doktor Tuchel hat die Probleme erkannt und diese mit einer Wohlfühlansprache abgeschaltet. Er erreicht die Mannschaft. Sie folgt ihm. Zug für Zug. Zug zum Tor. Das übliche Dortmunder Spektakel, das immer ein Tor mehr für den BVB garantiert. Da kann der Gegner auch Real Madrid heißen, und 2:0 in Führung gehen. Das macht nichts. Weigls Auge, Schmelzers Abgeklärtheit, Aubameyangs Gelassenheit: All das führt zum 2:1. Zum Anschluß und zum Doppelwechsel. Reus und Mor für Pulisic und Schürrle. Tiefe von der Bank. Und ein echter Leader mit mehr Muskeln. Einer, der Bälle mit seiner Körpersprache gewinnt, der sich behauptet, der anführt. Marco Reus ist der Schlüssel zum Dortmunder Erfolg. Hinten klärt er Bälle auf der Linie, vorne drückt er sie drüber. Er kann das, das wussten alle. Jetzt ist er fit. Hat gewartet, hat trainiert, hat die Kadertiefe genutzt. Dazu ein Emre Mor, der in den letzten Wochen an sich gearbeitet hat. Erst unsicht- und dann wunderbar. Balleroberung, Aubameyang fliegt, Reus läuft. Den Rest kann man sich denken.

 

Reden wir über Roman Weidenfeller:

Oft abgeschrieben. Grundlos. Im Bernabeu hat er den BVB im Spiel gehalten, hat er mit seiner Erfahrung Ronaldos Ball an den Pfosten geschaut, und einige wunderbare Aktionen gehabt. Roman Weidenfeller ist eine Dortmunder Legende. Man wird ihm auf dem Borsigplatz ein Denkmal errichten. Am Mittwoch hat er dafür gesorgt, dass dieses Denkmal noch ein wenig größer, ein wenig schöner werden wird.

 

Ein Denkmal wird man Pierre-Emerick Aubameyang wohl nicht errichten. Es zieht ihn aus Dortmund weg.

Da sehe ich kein Problem. Der Geheimagent mit Batman-Maske wird auch in der kommenden Spielzeit im Westfalenstadion auflaufen. Er ist nicht blöd. Er kennt das Gesetz der Serie. Danach wird er die Westfalenmetropole verlassen. Als einer der größten Stürmer der Vereinsgeschichte. Hand auf Herz: Er ist es bereits. Am Samstag in Köln wird er sein 100. Pflichtspieltor für den Ballspielverein erzielen. Und bis zu seinem Abgang werden rund 50 weitere hinzukommen. Ich habe selten einen glücklicheren Spieler gesehen. Er ist ein anständiger Kerl, würde Aki Watzke sagen. Hat er sicher schon. Dem schließe ich mich an.

 

Neben Aubameyang zieht es auch den Rest des Dortmunder Kaders nach Madrid, berichtet die Marca. Sehen wir Doktor Tuchel, Weigl, Pulisic und Dembele schon bald nur noch in der Champions League?

Nein. Das wird nicht passieren. Glauben Sie doch nicht jedes geschriebene Wort. Überhaupt: Tuchel. Das finde ich faszinierend. Der Außenblick, der deutsche Blick, der Dortmunder Blick. Selten gab es größere Unterschiede. Gab Marcotti ist ein Tuchelista, ganz Spanien ist Tuchelista, England auch. In Deutschland ist er nur noch eine Nummer. Da gibt es die Nagelsmänner, die Hasenhüttls und so weiter und so fort. Tuchel ist da beinahe lästig. Er kann nicht verlieren, und er kann nicht rotieren. Zoomen wir weiter rein. Er kann nicht kommunizieren, und deswegen seine Koffer packen, sagen die von Internationalisierungs- und Veränderungängsten geplagten Dortmunder Fans, die ziellos durch die turbulenten Zeiten im Weltfußball taumeln. Der Erfolg hat den Verein auf eine Welle gespült, die vielen zu gefährlich erscheint. Sie ist es natürlich nicht. Man muss auf ihr surfen, und es genießen: Ich liebe den modernen Fußball.

 

Weniger modern ist der Fußball von Niko Kovac. So zumindest der Vorwurf der Experten bevor er Frankfurt zurück an die Spitze führte. Gestern hat der Kroate seinen Vertrag bis 2019 verlängert.

Das ist ja ein gravierender Fehler. Niko Kovac ist kein Kroate. Er ist Europäer mit Berliner Wurzeln. Dort, hier bei uns im Kiez, hat er Dinge mitgenommen, die ihn jetzt auszeichnen. Er ist ausgleichend, er ist ein Beschützer, er ist ein Verbesserer, der sich selbst ständig verbessern will. Der nicht als Trainer auf die Welt kommt, und dann nicht mehr an sich arbeitet. Er lernt. Und mit ihm lernt diese wunderbare Mannschaft mit dem Jahrhundertglücksfall Jesus Vallejo, der sogar Timothy Chandler gut aussehen lässt. Wissen Sie was?

 

Nein

 

Wir können jetzt endlich von der neuen Berliner Bewegung im Fußball reden. Pal Dardai, Niko Kovac. Ähnlicher Background, ähnlicher Ansatz, ähnliche Ideen. Sie stützen ihr Spiel auf ein defensives Fundament, sie schauen auf die Positionen. Sie sind eklig, wenn sie eklig sein müssen und sie sind euphorisch, wenn sie Euphorie brauchen. Sie leiten die Renaissance der Traditionsvereine ein. Wer hätte das gedacht?

 

Dietfried Dembowski?

Stimmt.

 

 

An der Spitze der Liga thront weiter das Leipziger Projekt.

Das sollen sie mal machen. Alle jetzt auf Höhenfliegern getroffene Aussagen werden wir später gegen sie verwenden. What goes up one day must come down. I’m right back where I started. In my pocket, I don’t have a dime. Die Zeit arbeitet gegen Leipzig. Da müssen wir das gar nicht machen. Der Kader ist akutell biederer Bundesligadurschnitt. Das werden wir alle noch sehen. Geduld.

 

Wir haben uns ganz schön verquatscht. Schnell noch ein paar Themen. Ist die Champions League tot?

Nein. Das lesen wir jetzt überall. Die Verwunderung ist groß. Die Schere geht weiter auseinander. Verrückt. Der Fußball ist ein Spiegel dieser Welt. Wir alle kommen uns näher, wir alle sind vernetzt. Wir müssen aufhören, unsere regionalen, unsere nationalen und auch unsere kontinentalen Grenzen zu verteidigen. Wir sind eine Welt. Und eine Welt kann sich nicht mit 29 verschiedenen Ligen beschäftigen. Der Fußball ist da Vorreiter. Die Superliga wird kommen, und ich freue mich darüber. Machen wir uns nichts vor: Die Champions League ist das gelungenste europäische Projekt der letzten Jahre. Wer an Europa denkt, der denkt an die Champions League. Was soll daran verkehrt sein?

 

I love modern football
I love modern football

Was ist mit den Bayern?

Die interessieren mich nicht mehr. Aber Hoeneß ist zurück, und jetzt kämpfen sie da um die Macht. Kommt Eberl, kommt Lahm, und bleibt Lewandowski? Wer solche Fragen stellt, sollte die Antworten besser nicht liefern. Die Menschen langweilen sich. Nicht Borussia Dortmund ist der große Verlierer des Leipziger Aufstiegs, es sind die Bayern, die nur noch eine Nebenrolle spielen. Ancelottis Fußball passt da schön rein.

 

Football Leaks?

Eine große Aufregung. Wir müssen da zwischen den eigentlichen Vergehen und den offen gelegten Verträgen unterscheiden. Die Verträge sind eine Unverschämtheit. Das hat niemanden zu interessieren. Trotzdem natürlich eine wichtige Recherche, die jedoch zu oft an den falschen Stellen Sensation schreit, und somit weniger beachtet wird. Und wem nützt es?

 

Der Menschheit?

Hmh. Kann sein.

 

Kurz noch zu Justin Hagenberg-Scholz. Der Experte arbeitet jetzt für MiaSanRot, unter der Woche kam es zu einem öffentlichen Zerwürfnis.

Das ist erledigt. Wir haben gestern seinen Geburtstag gefeiert. Lecker Schulle für mich. Justin und Berenice haben Apfelkuchen mit Sahne gegessen. Wir haben den Streit beigelegt. Alles gut. Im Sommer planen wir einen Urlaub auf Sylt.

 

Danke, Dietfried!

Danke, DID!

dembowski erklärt schon wieder die welt, teil I von I

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