wird der bvb überleben, herr dembowski?

Herr Dembowski. Was ein herrlicher Tag. Und jetzt dürfen wir auch noch mit Ihnen sprechen. Wo erwischen wir Sie heute?

Wollen Sie mich eigentlich verarschen? Was soll an diesem Tag herrlich sein. Bislang maximal 4/10. Immerhin das Wetter spielt mit. Muss nicht vor die Tür. Hab vor ein paar Tagen ein altes Simon Joyner-Album entdeckt. Man hat ja doch immer mehr Musik als man hören kann. Und vergisst, was man besitzt und was es einem gegeben hat. Und dann hört man es, und man erinnert sich an diesen einen Moment, an die Situation, die alles verändert hat und in der Musik da war. Wie Simon Joyner mit The Cowardly Traveller Pays His Toll. Target als Dauerschleife. Das ist die Zeit des Jahres, das ist die Zeit vor den sieben langen Jahren des Untergangs.

 

Vor denen jetzt der Ballspielverein steht. Mislintat weg, Bosz auf der Abschussliste, in der Bundesliga innerhalb weniger Woche vom Titelkandidaten zum Abstiegskandidaten. Beginnen wir bei Mislintat. Sein Abgang, schrieben Sie bei den 11 Freunden, sei eine Katastrophe, die größte überhaupt. Wird der BVB überleben, Herr Dembowski?

What? Sie sind bekloppt! Glauben Sie da mit der Super-Katastrophe. Ich schreibe, was die Menschen hören wollen. Un die wollen hören, dass alles immer schlimmer wird. In ihrem Verein, in der Liga, und überhaupt. Die Menschen sehnen sich nach Abstürzen, solange es nicht ihre eigenen Abstürze sind. Sagen wir es so: Mislintats Abgang ist in der aktuellen Situation einfach sehr unangenehm für den Verein. Die alten Wunden werden wieder aufgerissen. An Tuchel und dem Umgang mit Tuchel wird der Verein noch lange zu knabbern haben.

 

Inwiefern?

Mislintats „ohne Tuchel wäre ich noch hier“-Interview haben Sie gelesen? Sagt er also. Im Gespräch mit dem kicker. Es habe seine Denke verändert. Auf einmal, seiner Freunde und Kollegen entrissen, ohne seinen natürlichen Jagdgrund, dem Fußballplatz, wurde es ihm klar, dass die Welt nicht in Kamen beginnt und in Dortmund endet, sondern dass es andere Orte gibt, dass man sein Fansein entkoppeln kann, dass man sein Leben nicht nur an einem Ort verbringen muss. Dazu das ganze Geld. Sie haben ihn überhäuft damit. Jetzt ist er The Diamond Eye, und wenn er seinen Job gut macht, wird er es bleiben, und wenn nicht, ist das halt so.

Viel schlimmer aber sind doch all die Dinge, die nie gesagt wurden. Schlimmer ist der Bruch mit der Liebe, ist der Gedanke, der in offiziellen Statements zurückgehalten wurde, der nach guter alter Dortmunder Taktik über andere Stellen lanciert wurde. Da hören wir von Ambitionslosigkeit, von unterschiedlichen Auffassungen über die sportliche Ausrichtung, und von schwindendem Vertrauen in das Diamantenauge. Er sei nur das Gesicht für die großartige Dortmunder Scoutingabteilung, heißt es. Er sei das Gesicht, aber nicht das Gehirn, sein Abgang zu verschmerzen. Das werden wir sehen, und wenn wir uns den Kader anschauen, müssen wir für alle Dortmunder hoffen, dass dieser durchschnittlichste aller Kader der vergangenen Jahren sich über die Ziellinie rettet und dann…

 

Wieder ein Umbruch?

Sieht so aus. Diesmal eventuell einer, der anders als in den Vorjahren nicht an die sportliche Substanz geht, sondern vielmehr den Kader für die Zukunft und vor allen Dingen Gegenwart ausrichtet. Das hat der Verein in den letzten Jahren schlichtweg vergessen: Eine große Zukunft erfordert in der Gegenwart zumindest ein wenig sportlichen Erfolg. Sonst rennen alle weg. Bevor also die Bausteine wegrennen, müssen andere gehen. Dann jammern aber die Fans. Aber nur bis sich der sportliche Erfolg einstellt. Ein Blick auf Tedescos formidable Schalker reicht. Erinnern Sie sich noch an Benedikt Höwedes?

Den hatte ich vergessen.

Weltmeister, Kapitän, unter Tedesco entmachtet. Mit Erfolg. Es geht um eine Philosophie, um einen Weg, um Antworten auf Fragen, die sich immer häufiger und immer schneller stellen. Auf dem Platz, neben dem Platz.

Gegen Schalke geht es kommende Wochenende. Heute gegen Tottenham. BVBTOT?

Sie auch? Lustiger Hashtag. Wird trenden. Können Sie sich dann ausdrucken und abheften. Das wird der Situation nicht gerecht. Tottenham kann Ausgangs- oder Endpunkt für Trainer Peter Bosz werden. Das Geburtstagskind kann die Welt noch retten, aber er muss jetzt anfangen, im Fernsehen, ich habe es gerade eingetreten, erzählen die Experten seit Tagen nur davon. Bosz muss dies, und Bosz muss das. Bosz muss gehen. Das wissen wir alle. Außer er gewinnt, und die Mannschaft versteht ihn auf einmal.

Trainieren die überhaupt noch?

Kann sein. Müsste man den Reporter fragen. Der fabulierte was von einem Neu-Anfang. Vielleicht geht es da auch um intensivsten Trainingseinheiten.

Was ist die Lösung?

Der BVB muss sich neu organisieren, muss Mislintats Abschied nutzen, um am kommenden Wochenende auf der JHV für den großen Knall zu sorgen. Watzke funktioniert nur noch in der Öffentlichkeit, aber jetzt muss Feldenkirchen wieder über Schulz schreiben, und wenn der BVB nicht aufpasst, wird Feldenkirchen in Zukunft auch nicht mehr über Watzke schreiben wollen. „Wir lagen im Vorzimmer der Pathologie“, erzählte er immer, und dann die Geschichte der Wiederbelebung. Doch die ist auserzählt. Und es gibt keine neuen Geschichten mehr. Die Menschen mögen Abstürze, aber noch viel lieber lassen sie sich abholen, und auf eine Reise zum Mond mitnehmen. Das kann der BVB nicht mehr bieten. Konstante Erfolge auch nicht. Was soll da kommen? Der BVB braucht Cramer/ Gruszecki. Das sagte ich aber bereits. Die Unruhe kommt von oben. Bosz ist nur ein Symptom, er ist nicht das Problem.

Problem. Problem. Problem. Chinas U20 macht auch Probleme.

Das stimmt. Jetzt hat sich sogar die chinesische Regierung eingeschaltet, wirft Deutschland und den Aktivisten beim Spiel TSV Schott gegen China Respektlosigkeit vor. Der DFB ist einigermaßen sprachlos, will noch einmal das Gespräch suchen. Wer sich dem Geld vor die Füße wirft, muss sich dem Geld unterwerfen. Wie ist dieser Vertrag, wie ist diese Vereinbarung zwischen China und dem DFB überhaupt aufgebaut. Das gilt es zu recherchieren, und nicht, wieviel Geld CR7 verdient. Könnte ich mich stundenlang aufregen, wie sich die besten Journalisten unserer Generation so ablenken lassen.

 

Hertha verliert gegen Gladbach, wird durchgereicht.

Hertha kann verlieren. Hertha darf verlieren. Hertha ist Berlin. Niemand will, dass von dieser Stadt jemals wieder ein Siegeszug ausgeht.

 

 

Blicken wir für einen Moment mal aufs DID POWER RANKING. Was auffällt. Burnley! Burnley? Wieso denn Burnley? Wird im Turf Moor auf einmal aufregender Fußball gespielt?

Mitnichten. Der Fußball in Englands Norden bleibt weiter wenig interessant. Aber darum geht es nicht. Die Dykes-Truppe gewinnt ihre Spiele jetzt sogar in Folge. 3x. Das erste Mal seit 74/75 unter Jimmy Adamson. Siege gegen Newcastle United, gegen Southampton, am Wochenende gegen Swansea. Diesmal sogar 2 Treffer. Dann wieder: Bei Swansea stand Renato Sanches in der Anfangsformation. Erinnern Sie sich noch an den? Größtes Talent aller Zeiten. Kam für €100 Millionen zu den Bayern. Ein Großteil aber nur Bonuszahlungen für den kommenden Weltfußballer. Das wird er niemals mehr werden. So wie Burnley auch nicht mehr spannend, aufregend werden wird. Fünf erzielte Tore im Turf Moor. Das ist nicht viel. Nur zwei kassiert. Noch weniger. Auswärts ist das kaum anders: 6:6 Tore. Der Sturm unter ferner liefen, die Abwehr eine der stabilsten in Europa. Auf Platz 6. Wer will das sehen? Entertainment Faktor 12.66. Unansehnlich. Aber erfolgreich. Soll es geben, Herr Thies.

 

Bekommt Gladbach im DID Power Ranking endlich die Hecking Love, die es schon seit langer Zeit verdiente?

18, 33, 50, 56, 47, 42, 36, 40, 32, 34, 27. Borussia Mönchengladbach steht für Mittelmaß. Dieter Hecking braucht keine Liebe, er braucht Erfolg, er braucht mehr als nur Glück, mehr als nur mal einen Sieg gegen Hertha BSC, aktuell noch vor Borussia Dortmund die Schießbude der Bundesliga. Wenn ich bei Dieter Hecking etwas erkenne, dann doch nur, dass er von einem alternden Stürmer abhängig ist. Das ist zu wenig. In der kommenden Woche geht es gegen Bayern München, von denen wir heute sicher noch hören werden. Candos Gegenwart gegen Jupps Vergangenheit. Und mal wieder ein Schritt zurück. Hören Sie mir auf mit Borussia Mönchengladbach.

 

Real Madrid stürzt aus den Top 10: Der Zauber von Cristiano scheint verflogen. Nicht mal Sie, Herr Dembowski, glauben noch an Los Blancos.

Natürlich glaube ich noch an den Zauber der Königlichen. Der, mein guter Herr, ist noch lange nicht verflogen. Haben Sie gelesen, dass CR7 in Nikosia aufgelauert wurde? Dass sich ein Fan als Reporter verkleidet hat? Mit Kamera, mit Ausweis. Nur um ein Bild des größten Fußballspielers unserer Zeit zu bekommen. Lassen Sie Barcelona doch weiter enteilen. Zidane hat den Titel-Hattrick in der Königsklasse im Visier. Mit Lappalien wie der spanischen Meisterschaft muss er sich da nicht rumschlagen, gerade wenn es gegen Atletico geht, die zwar weiterhin ohne Niederlage bleiben, aber doch sonst, Hand aufs Herz, eine Katastrophensaison spielen. Diego Simeone ist sogar hinter Peter Bosz. Bitte keine Fragen mehr. Ich ertrage das nicht.

 

So einfach kommen Sie uns nicht davon. Ein kurze Blick noch auf den FCB, dem ohne frisches Geld, nur mit einem Geniestreich der Vereinsführung alles gelang. Heynckes kehrt zurück und geht amS Saisonende wieder. Kommt dann Julian Nagelsmann?

Glauben Sie das wirklich? Wie verblendet muss man sein? Wie PR-hörig wollen Sie noch werden. Julian Nagelsmann ist nicht einmal mehr der beste junge Trainer der Liga. Das ist Schalkes Tedesco, der Hoffenheims Trainerschmiede rechtzeitig verlassen hat, um Erfahrung zu sammeln. Im Fußball. Nicht im Labor. Nagelsmann rennt mit seinem roten Mantel ins Stadion. Hier bin ich, Euer Julian. Ich möchte Bayern-Trainer werden. Dabei bricht Hoffenheim ein. Im letzten Jahr sind sie mit einer grundsoliden Truppe an ihre Grenzen gegangen. Sie hatten den Abstieg vermieden, sich in einen Rausch gespielt, waren eine Einheit. All das zerbricht. Das sind die Mechanismen, die dich auch im Labor einholen. Der Trainer ist gut, aber er ist auch star-struck. Er würde sich am Tage seines Amtsantritts ein Trikot von den Stars der Bayern unterschreiben lassen, und dann erstmal für ein paar Tage damit verbringen, dieses Trikot anzustarren. Thomas Tuchel wird der neue Bayern-Trainer. Er wird sich mit Hummels einigen. Thomas Tuchel wird erneut beweisen, dass er Guardiolas wahrer Erbe ist.

Klasse! Tolles Statement. Herr Dembowski, einen schönen Tag noch.

Hab ich hoffentlich nicht. Ich höre jetzt Talk Talk.

 

wo ist mo dahoud, herr dembowski?


Dietfried, wo erwischen wir Sie heute?

Soldiner Eck. Gestern war Malcolm Holcombe hier. Gebeugter Stand, irrer Blick, zerstörte Stimme. Kippe an, Kippe aus. Er hat gesungen. Er hat mein Leben ein Stück besser gemacht. Seine Aufgabe, sagte er mir, sei es die Geschichten seiner Vorväter zu erzählen, alte Werte weiterzutragen, sich gegen die Moderne zu stellen. Wir sind dann irgendwann spazieren gewesen. Einmal durch die Stadt bis runter zum Adlon. Malcolm erzählte von den Gutscheinen, die ihm am Leben hielten und von dem Wald, den er selten verließ. Ich zeigte auf das Adlon. Und erzählte von Michael Jacksons Fenstergruß. Und Malcolm blieb stehen. „I don’t know any Michael Jackson“, schrie er mich an, und schritt dann eine weitere Kippe rauchend durch das Brandenburger Tor. Später hat er für uns gesungen. Wir haben Fanta Korn getrunken, die Wu Martini Sprite und JHS rief noch kurz aus Südamerika an.

Klasse! Sie erleben Sachen. Haben Sie da überhaupt Fußball geschaut?

Wofür? Für die größte Aufregung sorgt doch schon lange nicht mehr der verstörende Qualitätsverfall der Liga, und somit das Geschehen auf dem Platz. Was uns wirklich bewegt, das hat alles mit der wie ich es nenne großen Angst zu tun. Alles hängt mit allem zusammen. Die merkwürdige, ja sogar unter Manipulationsverdacht stehende Entscheidungsfindung im Kölner Darkroom, die Unbeweglichkeit des Verbandes, der gerne so groß wie der auch schon beinahe vier Jahre zurückliegende sportliche Erfolg des Flaggschiffs, der Nationalmannschaft, sein möchte, aber in regelmäßigen Abständen muss er sich mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen. Das Fußballgeschäft …

Herr Dembowski, Sie verirren sich. Kommen wir gerne drauf zurück. Aber haben Sie Fußball geschaut?

Ja.

Dann beantworten Sie doch einfach die Frage. Das macht das für mich einfacher. Der BVB ist weiter in der Krise.

Und wo ist das Problem? Der BVB hat in sieben Spielen 14 Tore erzielt und 14 Tore kassiert. Aubameyang hat den Ball einige Male an den Pfosten und häufiger daneben genagelt. Die fehlende Kreativität in der Offensive, in der nur der 19-jährige US-Amerikaner überhaupt Interesse daran hat, Lösungen zu finden. Die mir immer noch merkwürdig erscheinenden und urplötzliche Iniesta-Werdung Götzes, das komplette Verschwinden Mo Dahouds…

Wo ist Mo Dahoud, Herr Dembowski?

Das würde ich ihnen gerne beantworten. Aber ich kann ihnen das nicht sagen. Der BVB verpflichtet einen Spieler, und der, auch weil ein anderer Coach kommt, verschwindet dann in der Versenkung. Vielleicht ist er nicht fit, vielleicht fehlt es ihm an der richtigen Einstellung, vielleicht steht der Bosz nicht auf ihn. Wer kann das aus der Ferne beurteilen? Ich nicht.

Sie sprechen die Transferpolitik der Dortmunder an.

Soll ich mich da wiederholen. Ich wiederhole mich gerne. Sie wissen das. Ich wiederhole mich sehr gerne. Der BVB hat sich in seiner Transferpolitik verloren. Sie holen haufenweise junge Spieler, und werfen die gegen die Wand. Einige, wie The Ous, bleiben hängen und werden von der europäischen Elite mühevoll runterkratzt, den Rest kehrt die europäische Mittelklasse auf, aber kaum ein Spieler landet in Dortmund, um in Dortmund zu bleiben. Das neben dem Ruhrstadion schönste Stadion des Landes, das Westfalenstadion, bleibt nur Durchgangsstation. Mit der fehlenden Identifikation, mit den fehlenden Übermittlern der Vereinskultur verschwindet diese letzte Gier, die das Stadion zur Festung, und den BVB zu einem spannenden Verein gemacht. Aktuell ist der BVB nur ein Projekt, und das muss man der Vereinsführung vorwerfen. Sie inszenieren sich als der kleine Verein, der sie schon lange nicht mehr sind. Klar, die Maßstäbe haben sich verschoben, und jetzt schaut man zu Manchester United und nicht mehr zum Hamburger SV Auf, aber das Underdog-Image schadet dem Verein.

Der sich so inszenieren muss, um mit der Basis zu kuscheln.

Das glauben Sie. Es gibt auch andere Wege. Vermutlich braucht es aber an der Spitze einen Mann der Zahlen, und als Präsidenten einen Mann, der die Fans mitnimmt. Mir fallen da die Namen Carsten Cramer und Janni Gruszecki ein. Rauball war zu Beginn seiner ersten Amtszeit auch nicht älter, und Gruszecki, machen wir uns nichts vor, kennt die Seele des Vereins, er wohnt in ihr, und er weiß, wo die Leute sind, die man abholen muss, und auch, wie man sie dann mitnimmt.

Interessant. Themenwechsel. Der VAR sorgt weiter für Unmut.

Das stimmt. Bemerkenswert: Der Videobeweis an sich erhält weiter große Zustimmungswerte innerhalb der Liga, nur die Ausführung eben nicht. Der Videobeweis aber wird nie ein mehr an Gerechtigkeit bringen, sondern vielmehr immer weiter für Verwirrung sorgen. Da können die Handlungsanweisungen noch so konkret sein, die Auslegung bleibt immer nur eine Annäherung.  Wir sehen eine Ärgerverschiebung. Mehr nicht. Und mehr werden wird da nie sein. Im Fußball muss es keine Gerechtigkeit geben.

Aber frei von Manipulationen muss er schon bleiben, oder nicht?

Beruhigen Sie sich. Eine Einflussnahme ist noch keine Manipulation, und ob eine Einflussnahme vorliegt, muss sich erst noch zeigen. Ich bin da überfragt. Für Schalke und Wolfsburg ist das blöd. Die können da nichts für, und müssen jetzt vielleicht noch einmal gegeneinander spielen. Das kann niemand wollen.

Promi-Anwalt Schickhardt setzt sich derweil für eine bessere Stadion-Hygiene ein. Muss der 1.FC Köln mit dem Zwangsabstieg rechnen?

Diese Diskussion ist komplett aus dem Ruder gelaufen. If you can’t stand the heat, get out of the kitchen. Das muss auch und gerade für die Modernisierer des Spiels gelten. Wer das Geschäft Fußball in seinen Grundstrukturen verändern will, und teils bereits hat, der kann sich doch nicht beschweren, dass sich Teile der Fans dagegen wenden. Man muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen, hört man immer wieder, wenn sich dumpfe Gestalten gegen das für sie Fremde auflehnen, und ihre Angst in unschuldige Menschen reinprügeln und schreien, aber den Fußballfan will man eliminieren, aus dem Stadion treiben. Das Kapital nimmt sich die Macht, doch es darf sie nie komplett erlangen.

Rüber zum DID POWER RANKING. Was tut sich da?

Nicht viel. Die teuren Truppen marschieren vorneweg, jetzt zeigt auch Napoli, der letzte Außenseiter unter millionenschweren Megateams, erste Anzeichen einer unumkehrbaren Erschöpfung. Das geht nicht mehr lange gut. An der Spitze also City, Barcelona, PSG als Dreiklang der Internationalisierung und abgeschlagen am Ende des Feldes dann Metz, Malaga, der FC Köln und Benevento. Das ist eine andere Welt da unten. Eine schönere Welt, in der Hoffnung nicht mit der nächsten Niederlage endet. Eine Welt fernab der Superlative, eine verständlichere Welt, aus der sich der HSV dank Uns Fiete vorerst verabschiedet hat. Dort wird bereits wieder von Titeln geredet.

Was war für Sie das Spiel der Woche, Herr Dembowski?

Das Rhone-Derby zwischen St. Etienne und Olympique Lyon. 800 Schlachtenbummler aus Lyon. Für die war es der Trip Ihres Lebens. Das Stadion im Nebel. Spielunterbrechung nach nebelbedingtem Ausfall der Torlinientechnik. Fekir mit einem Doppelpack, der blutjunge Aouar auf großer Fahrt, Rudelbildung, Platzverweis nach Blutgrätsche, Trikotjubel, Platzsturm, Polizei auf dem Platz, Spielunterbrechung für über 30 Minuten. Fußball, wie er sein muss. Ging dann auch weiter. 5:0 für Lyon. Als würde Schalke 4:0 in Dortmund gewinnen.

Das ist eine durchaus realistische Vorstellung in den kommenden Wochen. Kann Tedesco die Königsblauen zum Derbysieg führen?

Bleiben Sie mal geschmeidig. Bis dahin fließt noch viel Schulle meine Kehle runter. Das kann man doch noch überhaupt nicht sagen. Wenn der Ballspielverein einen Sahnetag erwischt, Aubameyang das Tor und nicht den Pfosten trifft, dann wird Gelsenkirchen aus dem Stadion geschossen. Aber natürlich: Tedesco hat gezeigt, dass er die Stärken seiner Mannschaft genau herausarbeiten kann, dass er ein Trainer mit Bundesliga-Format ist. Nicht ohne Grund wollte ich den im Westfalenstadion sehen.

Trotz Krise springt Real Madrid von 12 auf 9. Wie kann das passieren?

Was eine bescheuerte Frage. Real Madrid kommt auch ohne Ronaldo-Tore gut durch die Saison. Eine Weltklasse-Mannschaft nimmt sich ihre Schwächephasen am Anfang einer jeden Spielzeit. Dan beendet man die Champions League-Gruppe auf 2, hängt in der heimischen Tabelle hinterher. Aber im April werden sie da sein, und natürlich spielt das auch im DID POWER RANKING eine Rolle. Real Madrid bleibt die beste Mannschaft der Welt. Sie werden am Ende der Saison ganz oben stehen. Daran besteht kein Zweifel. Und Ronaldo wird Torschützenkönig! Darauf hat er gewettet und dafür steht er mit seinem Namen.

Das haben Sie schön gesagt. Vielen Dank, Herr Dembowski.

Gerne. All there is left is the fallin rain. Denken Sie drüber nach.

was bilden sie sich eigentlich ein, herr dembowski?

Herr Dembowski, so schnell trifft man sich wieder.

Schrecklich. Einfach nur schrecklich.

So schlimm?

Ja.

Was machen Sie jetzt?

Ich warte auf den Jumbo-Jet. Ich habe Angst. Der Lärm wird mich wieder erdrücken. Wird mich auf dem Boden kauern lassen. Wird mich auffressen. Wissen Sie, warum mich der Fluglärm so verrückt macht?

Nein. Erzählen Sie. Heulen Sie sich aus.

Der Moment der Stille nach dem es vorbei ist. Der macht mich verrückt. Er lässt mich zittern.

Sie zittern? Weil alles still ist?

Weil es danach wieder losgeht. Weil es nie endet. Weil die Bedrohung immer da ist. Ich steiger mich dann in die größten Unglückszenarien rein. Dieser kurze Moment der Ruhe, wenn die Gedanken wieder funktionieren. Und ich denke nur daran, was sein wird, wenn eine dieser Maschinen über mir auf einmal brennt und was sein wird, wenn sie mir auf den Kopf fällt. Wo werde ich Schutz suchen, wo werde ich die letzten Momente verbringe, bevor ich entweder verbrenne oder erschlagen werde.

Herr Dembowski! Das klingt ja grausam. Sie brauchen Hilfe. Noch nie ist ein Flugzeug im Anflug auf Tegel abgestürzt.

Noch nie. Klingt beruhigend. Ich denke an die Zukunft. Und vor der graut es mir.

Das zumindest, denn wir müssen die Kurve kriegen, dürften sie mit den Fans von Werder Bremen gemeinsam haben. Ihr Verein steht mal wieder ohne Cheftrainer da, setzt daher erneut auf einen dauerhaft kurzfristigen Impuls aus den eigenen Reihen.

Das stimmt. Bremen-Fan und Anwohner in der Einflugschneise. Das würde man doch kaum aushalten. Die Bremer tun mir leid. Sie sind jetzt einfach runtergefallen. Habe ich schon oft von erzählt. Der Verein hat keine Zukunft, und dieser Kampf gegen den endgültigen Untergang, mit wechselndem Personal und gleichbleibenden Resultaten, bedrückt mich. Da will man sich also neuen Märkten öffnen, verpflichtet einen chinesischen Spieler, kokettiert mit dem Iran. Und es ist so egal, denn es interessiert nicht. Das sind Akte der Verzweiflung. So nerdig sind die Fans in den umkämpften Märkten des Fußballsports nun auch nicht. Traurig. Aber von Bremen werden wir uns verabschieden müssen. Und der Moment der Verabschiedung wird ein bitterer Moment sein. Wir werden sie verspotten. Dabei sind sie nur ein Opfer unserer Zeit.

Sie machen es sich sehr einfach. Mit mehr Kontinuität, mit einer Rückbesinnung auf die Bremer Werte wäre das alles nicht gekommen.

Wenn Sie das sagen. Der Kader ist mittelmäßig, das stimmt. Sicher auch im Mittelmaß eher abfallend. Aber wenn der Umsatz sich kaum noch steigern lassen, gerade im Verhältnis zu anderen Ligen, und wenn auch national immer neue Gräben aufgerissen werden, dann brauchst Du Glück, dann musst Du wie ja zum Beispiel die Schalker von Deinen Transfererlösen leben. Aber auch die musst Du steigern, denn die Gehälter steigen, die Spieler wollen immer mehr, und können in immer mehr Vereinen mehr verdienen. Kannst Du das nicht leisten, fällst Du irgendwann runter. Das sehen wir in Bremen. Ich habe sie immer gemocht. Und ich möchte das gar nicht mehr anschauen.

Ein gutes Stichwort. Kaum noch jemand schaut sich den FSV Mainz 05 an. Im Schnitt sahen nur 27.385 Zuschauer die bisherigen sechs Heimspiele in der Opel-Arena. Nicht einmal was das Stadion mit 34.000 Zuschauern ausverkauft. Was passiert in Mainz?

Woher soll ich das wissen? Bemerkenswert bleibt: In Sinsheim haben sie den Zuschauerschnitt bisher auf 29.142 steigern können. Das Stadion an der Autobahn war bereits 4x ausverkauft. Nur die Bayern haben eine bessere Bilanz. Passt prima ins Bild einer sich stets wandelnden Fußballlandschaft. Hoffenheim ist im 10.Jahr endgültig in der Liga angekommen. Sie haben eine mit Jugendspieler gespickte Mannschaft, eine okaye Fanbasis und als Pull-Faktor natürlich auch den 30-jähirgen Nagelsmann, dem man auch einmal einen Flaschenwurf verzeihen kann. Wer war noch einmal in Mainz Trainer?

Sandro Schwarz. Der sorgte doch erst in dieser Woche für Schlagzeilen als er für bessere, kritischere und interessiertere Fragen auf Pressekonferenzen eintrat.

Ah. Klar. Toller Vorschlag. Das freut wieder alle. Geht aber komplett an der Realität vorbei. Man fragt sich, ob Schwarz schon einmal auf einer Pressekonferenz war?

Er ist Trainer. Das wird so sein.

Aber erst seit dieser Saison.

Das Alter, Herr Dembowski, spielt keine Rolle. Die Erfahrung auch nicht. Was bilden Sie sich eigentlich ein, Herr Dembowski?

Nichts. Ich könnte mir nur nicht vorstellen, was man groß aus einer Pressekonferenz ziehen sollte. Gerade in Mainz. Da geht es darum, wer spielt und wie man spielt, und warum man wie spielt und ob man damit auf den Gegner reagiert. Das kann man fragen, das wird sicher auch gefragt. Und sonst? Wer soll diese tiefsinnigen Antworten zum Fußball denn lesen? Wen interessiert das? Den Leser einer Tageszeitung wohl kaum. Der will mitreden, sich über seinen Verein informieren. Aber sein Verein ist im Zweifel eben nicht sein Lebensmittelpunkt, und Fußball ist ihm auch nicht so wichtig, wie das Spiel sich immer nimmt. Und wenn Fußball ihm so wichtig ist, dann wartet er auf den neuen Tittmar, auf den neuen Escher oder was auch immer. Nie war es einfacher, sich über Fußball zu informieren, etwas über das Spiel zu lernen, und zu erfahren, wieso genau welche Formation, welches System gespielt wird und wann und wieso ein Trainer in einem Spiel variiert oder nicht. Die Antworten darauf wird man jedoch nicht auf Pressekonferenzen bekommen.

Was also wollte Herr Schwarz damit bewirken?

Ich habe keine Ahnung. Es ist naheliegend, dass er sich ins Gespräch bringen wollte. Tedesco, Nagelsman sind der Geschmack der Saison, Baum liefert in Augsburg grundsolide Arbeit ab und für Schwarz interessiert sich niemand. Vielleicht wollte er auf sich aufmerksam machen. Das ist doch okay. Das ist aber auch nicht mehr und es nicht meins.

Ist der BVB wieder Ihrer, Herr Dembowski?

Nein. Der BVB stürzt in eine der größten Krisen der Vereinsgeschichte und fühlt sich noch überlegen dabei. Plan A, Plan B, Plan C. Who cares. Es geht nicht um Pläne, sondern darum, guten Fußball zu spielen. Das ist am Anfang der Saison sogar noch gelungen, doch irgendwas ist zerbrochen und die Verantwortlichen wollen sich das nicht eingestehen. Die spielen jetzt noch die Nummer gegen Bayern und dann, so vermute ich, war es das für diese Saison.

Vor einigen Jahren unter Klopp stand der BVB kurz vor dem Abstieg.

So schlimm war es nicht, aber die Lage war doch jedem bewusst. Dem BVB ging es nicht gut, und da hat mich zusammengerissen. Jetzt erinnert das alles viel mehr an die Jahre zwischen 1997 und 2002. Das eigene Handeln wird kaum noch hinterfragt, dazu werden falsche Personalentscheidungen getroffen, und langsam, ganz langsam vergeht der sportliche Glanz. In Europa spielt der BVB bald keine Rolle mehr. Da reden wir dann von Leipzig und Bayern, in ein paar Jahren von Hertha.

Schöne neue Welt.

Indeed. Brave new world. Wer sich anpasst, der verschwindet. Anders als Bremen hätte der BVB Möglichkeiten, aber er hat sich verkalkuliert.

Ist denn ein Sieg für den BVB heute Pflicht?

Ein Sieg ändert nichts. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Es wird die Auferstehung vor dem endgültigen Untergang.

Klingt gefährlich.

Wie die Flugzeuge über mir. Entschuldigen Sie.


Eine Frage noch. War Markus am Samstag wirklich bei Schill?

Ja. Und wir haben ein gutes Gespräch geführt. Alles auf Arp, Wood über Bord, und dann am Ende schauen, dass man besser als Bremen ist. Das wird klappen.

Noch eine Frage.

Okay.

Wo ist Justin Hagenberg-Scholz?

Er bereitet sich vor. Es kommen dunkle Zeiten auf uns zu, JHS wird sie überstehen.

Ist er ein Prepper?

Das haben Sie gefragt.

Herr Dembowski, herzlichen Dank für das Gespräch.

Form a circle before we all go under.