sie trinken ihren kaffee doch auch aus einer liverpool-tasse, herr dembowski

Da sind Síe ja, Herr Dembowski.

Genau. Schon wieder nüchtern. Was ein Abend!

Was ist passiert?

Fußball.

Das haben wir gesehen. Die Roma und die Reds ziehen ins Halbfinale der Champions League ein.

Ist das nicht fantastisch?

Wenn Sie das sagen. Auf der anderen Seite scheitert Revolutionär Pep Guardiola, scheitert Barcelona mit Lionel Messi, dem größten Spieler dieser Generation.

Josef G., wie er von der Süddeutschen genannt wird, ist kein Revolutionär, er ist der Zerstörer des Spiels. Er steht für alles, was am Fußball aktuell kritikwürdig, ja beinahe verachtenswert ist.

Weil er guten Fußball spielen lässt?

Sie begreifen Fußball als Spiel mit 22 Personen und 2 Trainern. Ich nicht. Das ist der Unterschied. Pep Guardiola ist ein Söldner. Er lässt sich kaufen. Mit Geld. Ohne moralisches Gewissen. Er steht für den modernen Fußball. Er vertritt Katar, und will aber mit der Politik des Staats nichts zu tun haben. Dann setzt er sich für Katalonien ein. Da ist Politik dann alles. Er will sich mit Geld Liebe und Anerkennung erkaufen. Dabei ist sein Fußball längst überholt. Guardiola spielt Fußball für Meisterschaften und nicht für Turniere, in denen Instinkte wichtiger sind als taktische Meisterleistungen. Guardiola ist wie sein Fußball: Kalt und berechnend. Doch diese Zeit ist vorbei.

In England gewinnt er die Meisterschaft. In München hat er den perfekten Fußball spielen lassen.

Und wurde doch von Ancelotti geschlagen. Wir können da ein Muster erkennen. Schuld sind immer die Schiedsrichter, sind immer die Spieler, von denen er sich hat überzeugen lassen. Schuld sind immer die anderen. Dass es für ihn nicht auf Champions-League-Level nicht reicht, hat er wiederholt bewiesen.

Zurück zu Katar. Englische Medien berichten dieser Tage von den Verfehlungen der Münchener Bayern. Sie kritisieren den Flughafendeal.

Und die Bayern schauen sich das an und sitzen es aus.

Die Fans werden protestieren.

Sie halten ein paar Banner hoch, und die Bilder davon werden in den sozialen Medien eifrig geteilt.

Das nennt man „Druck ausüben.“

Für mich ist es das Bewahren der Fassade einer intakten Vereinskultur. Schauen Sie her: Bei uns dürfen die Fans protestieren! Wir nehmen die Sorgen der Fans ernst. Das ist der deutsche Fußball, sagt man. Das hat aber keine Auswirkung. Im Zweifel entscheidet man sich für das Geld, und gegen die Fans und verleiht der Nummer durch die Proteste noch einen Debattencharakter.

Was sollen die Fans denn tun?

Sie müssten einfach wegbleiben. Das werden sie nicht machen. Sie werden nicht verschwinden, sie werden da sein, und jeder wird ein Stück weit mehr das Vertrauen verlieren. Das Fandasein wird ausgehöhlt, und irgendwann geht man einfach nicht mehr hin. Dann gibt es auf jeden Fan, der nicht mehr kommt, 10 neue Fans, die auf der Tribüne stehen wollen. Es verschiebt sich. Aus einem sozialen Ereignis, das weit über die Stadiongrenzen hinausgeht, wird ein Event. Das, da sind wir wieder bei Guardiola und seinen Verehrern, ist aber auch gewünscht.

Wie meinen Sie das? Und wer wünscht das?

Was wir doch alle beobachten können: Um Trainer ist ein unangenehmer Kult entstanden. Wenn Pep Guardiola seinen Spieler sagt, dass sie sich vororientieren müssen, dann ist das eine Revolution, dann ist das eine Sensation. Wenn Pep Guardiola den Verein wechselt, folgen ihm seine Jünger. Er ist der Erlöser. Man fragt sich doch nur: Wovon erlöst er uns eigentlich?

Sie haben die zweite Frage nicht beantwortet.

Das kann ich nicht. Ich weiß nicht, wer sich das wünscht. Ich habe gesagt, dass ich den Eindruck habe. Mehr nicht. Es könnte gewünscht sein. Was ich Ihnen aber sagen kann: Von mir nicht.

Sie sind Klopp doch auch gefolgt. Sie trinken Ihren Kaffee doch aus einer Liverpool-Tasse, Herr Dembowski.

Und mein Bier aus einer Schulle-Flasche. Das beweist doch überhaupt nichts. Jürgen Klopp steht für das Chaos. Erinnern Sie sich an die Eskalation gegen Dortmund. Wenn Guardiola für die Kälte des modernen Spiels steht, dann steht Klopp für das Feuer, das der Fußball immer noch entfachen kann.

Ein Feuer, das in Rom zu Jubelszenen auf der Pressetribüne führte. Das darf nicht sein.

Wieso?

Journalisten müssen neutrale Beobachter sein. Sie müssen erklären, einordnen und nicht erfühlen.

Danke für diese Definition, die natürlich großer Quatsch ist. Ich würde Ihnen zustimmen, ging es hier um eine Regierungsbildung. In Rom aber ging es um einen 3:0 Sieg gegen Barcelona, um den Einzug ins Halbfinale nach einer 1:4 Niederlage im Hinspiel. Natürlich darf man da durchdrehen. Vor allen Dingen gibt es an so einem Abend auch keinen Grund, das nicht zu tun. Was könnte ich denn als Kritiker anmerken?

Dass der Konter in der 57. Minute nicht sauber ausgespielt wurde? Dass nicht die Stärke der Roma, sondern vielmehr Barcelonas Arroganz der Auslöser dieser Sensation war?

Wer will das lesen? Wer will diese Versachlichung und Entmenschlichung überhaupt mitmachen?

Sie beschreiben die Gräben im Fußball.

Genau. Davon gibt es natürlich so viele, man kann die gar nicht alle beschreiben. Hier spiele ich natürlich auf das Aufbäumen jener Fans an, die diese Versachlichung nicht mehr ertragen. Da spielen so viele Dinge eine Rolle. Die ewigen Analysen, die Erfassung sämtlicher Daten, die Internationalisierung und damit einhergehende Vereinheitlichung des Fußballkonsums. Alle Maßnahme zielen doch darauf ab, dass das Spiel in jeder Ecke der Welt seinen Platz findet und konsumiert werden kann. Das ist eine große Errungenschaft. Doch mit ihr schwinden die lokalen Bezüge, die sozialen Strukturen. Es ist ein großer Auflösungsprozess im Gange, und der wird als unumkehrbar und notwendig beschrieben. Der wird dann noch analysiert, bis auf den letzten Pass und den letzten Lauf seziert, und der Erfolg, egal mit welchen Mitteln, wird von den Entscheidern als maßgeblich herausgestellt.

Das war immer so. Der Fußball ist nur ein Spiegel seiner Zeit.

Das stimmt. Und deswegen mögen wir Außenseiter, mögen wir das Ungewöhnliche, mögen wir die Sensation, die Überraschung. Dann leben wir, dann konsumieren wir nicht nur.

Herr Dembowski, wieso schauen Sie eigentlich Fußball?

Damit ich etwas spüre. So wie ich Musik höre, um etwas zu spüren. In der Musik suche ich den Schmerz, den anderen Menschen für mich durchleben, und im Fußball suche ich nach diesem einen Glücksmoment, der mich trägt, der mir für Jahre Nahrung ist.

Ein ganz anderes Thema. Heute jährt sich der Anschlag auf den Mannschaftsbus der Borussia zum ersten Mal.

Es war ein Anschlag auf die Insassen, technisch gesehen auf den Verein.

Okay. Was hat der Anschlag mit dem Verein und mit den Insassen gemacht? Der Prozess läuft noch.

Es ist, in den für die Sportöffentlichkeit relevanten Momenten, ein Schauprozess. Was der Anschlag ausgelöst hat, können sie heute überall nachlesen. Dazu müssen Sie mich nicht befragen. Es ist alles gesagt. Der Rest ist Wiederholung, ist in der klaffenden Wunde bohren, ist ein sich zur Schau stellen. Der Rest ist Auflage machen, und Klicks generieren. Das aber will ich nicht.

Dann lassen Sie es sein.

Ja.

Wir danken für das Gespräch.

Dafür nicht.

thies fragt, dembowski antwortet – endlich ein intro

Herr Dembowski, meinsportradio glaubt an uns. Jetzt sogar mit Intro! Wann nehmen wir zum ersten Mal auf Englisch für Ihre Fans weltweit auf?

Stop! Was ist hier los? Fantastisch! Präsentiert von Dietfried Dembowski! Präsentiert von Dietfried Dembowski! Auf Englisch? Wollen wir nicht erst einmal den Preis gewinnen, Thies? Was wir mit der Kohle alles machen könnten. Bessere Rechner kaufen, noch bessere Daten auswerfen, das POWER RANKING zum weltweiten Marktführer machen. Investieren, um zu gewinnen! Oder einfach Schulle trinken. Is ja Frühling. No new deafness. No self reference. No getting psyched on. No culture icons!

Platz 33: Villareal: Eine popelige 1-3-Niederlage gegen Bilbao reicht, um im Powerranking den Fahrstuhl nach unten zu nehmen. Haben Sie schon den ersten wütenden Anruf von Vereinspräsident Fernando Roig bekommen

Präsidenten! Für mich die wichtigsten Personen im Fußball. Haben Sie von Sporting gehört, Thies? Das ist die Nachricht der Woche. Präsident Bruno de Carvalho suspendiert nach der EL-Niederlage bei Atletico 19 Spieler. Natürlich nicht Bas Dost, der jetzt trotzdem mit einer Rückkehr in die Bundesliga liebäugelt. Die Situation ist letztendlich auf Instagram eskaliert. Da haben sich die Spieler beschwert. Kann man natürlich so stehen lassen, dachte sich de Carvalho. Wird sich aber wieder beruhigen. Roig hat sich noch nicht gemeldet. Scheint ein netter Kerl zu sein. Der hat mal an Arbeitslose Dauerkarten verteilt, die Preise angepasst. Cooler Typ. Der will ein volles Stadion haben. Und das mit dem Unterseeboot. Ich mag die. Aber im Power Ranking ist alles so eng. Da muss der diese Rückschläge verkraften.

Platz 21: Arsenal: 3-2 Sieg gegen Southampton, AUbameyang trifft, wie er will. Rettet Batman Wenger? Tuchel zu Paris Katar ist ja fix!

Auch so eine Nummer, oder? Wir berichten EXKLUSIV! Und werden dafür ausgelacht. Tuchel zu Paris Katar was always going to happen. Das konnte man unseren Daten entnehmen, oder eben bis zum Sportbuzzer warten. Unsägliche Berichterstattung in Deutschland. Pit und der DID waren da die Vorreiter. Mit Pit  liefer ich mir ja einen echten Wettkampf. Der DID ist meist besser informiert, Pit kann schmissiger schreiben. Unterschätzter Mann. Wenger wird noch ein Jahr machen. Der hat noch Vertrag bis 2019. Und rausschmeissen werden die ihn nicht. Wieso auch? Spielen nächstes Jahr Champions League, holen schon in dieser Saison einen internationalen Pokal, und Aubas Verdienst, Thies! Wissen Sie das? Dank seiner wohlformulierten Beschwerde kann man jetzt im Winter wechseln, und für den anderen Verein europäisch spielen. Das ist das Auba-Urteil, ignoriert und doch die wichtigste Änderung seit Bosman.

 Platz 18: Dortmund: Die Borussia spielt Stuttgart an die Wand. Verlängerung mit Stöger jetzt!!!

Nein. Stöger ist weg. Darauf haben sich Verein und Trainer längst geeinigt. Win-win. Der BVB kehrt in die Champions League zurück, Stögers Zeit in Köln ist vergessen. Jetzt muss man neue Wege gehen. In Dortmund ist man weiter besorgt. Alles kann jederzeit noch auseinanderfliegen. Das ist fragil. Das ist äußert fragil. Eine Niederlage gegen Tedesco, und die Fans drehen durch. Aber morgen ist der Jahrestag des Anschlags. Das dürfen wir nicht vergessen. Auch wenn man dafür weiterhin kassiert. Wer jetzt Trainer wird? Favre will zu Gladbach, Nagelsmann zu Bayern. Da bleibt nicht viel übrig. Tippe auf Hasenhüttl, der seinen Abgang in Leipzig längst vorbereitet. House of cards.

Platz 9 Manchester United: Derby gedreht in wenigen Sekunden, das wird mit 2 Plätzen rauf belohnt. Trotzdem bleibt City Erster im Ranking, wenn ich das schon verraten darf. Was muss United denn noch tun, um den verhassten Rivalen vom Platz an der Sonne zu vertreiben?

Haben Sie sich die Tabelle mal angeschaut? Lassen Sie uns über Pep sprechen! Der will den Druck vorm heutigen Spiel gegen Liverpool aufrechterhalten. Keine Meisterfeier, keine Ablenkung. In diesem Bundelsiga-Duell habe ich mein Geld auf Pep gesetzt! [Aber letzte Woche] Ja. Letzte Woche war letzte Woche. Klopp aber ist jetzt nervös. Scheitern. Das ewige Scheitern. Klopp, der eigentlich noch bei Dortmund wäre, hätte es damals bereits das DID POWER RANKING gegeben. Das schreibt Christoph Biermann in seinem Buch Matchplan. Ich bin einfach unfassbar stolz darauf, was wir beide erschaffen haben, Thies!

Herr Dembowski, am Wochenende steht das Derby aller Derbys an. Tedescos Powerfußball gegen das Alpen-Tiki-Taka von Stöger. Dürfrn wir etwas anderes erwarten als ein Fest des Fußballs?

Es wird grausam. Es wird ein kaltes, trauriges, elendiges 1:0 für den Ballspielverein Borussia aus Dortmund. Also eigentlich gar nicht so traurig. Für Tedesco beginnt jetzt der Sturzflug, der ihn noch aus den Champions League-Rängen führen wird. Diese Siege, das waren Glückstreffer. Die Mannschaft ist noch nicht bereit für höhere Aufgaben, und wird es nie sein. Schade für den Verein, den ich wirklich sehr schätze. Zu Ihrer eigentlichen Frage: Wenn Sie Sonntag was anderes vorhaben, schauen Sie das Spiel nicht. Es wird grausam!

Heute und morgen Champions League. Alle Spiele entschieden. Geht das in der Champions League jetzt auch los, dass der Wettbewerb erst ab dem Halbfinale beginnt?

Da ist noch nicht alles entschieden. Ronaldo schauen wir für das schöne Spiel, die guten Tore. City gegen Liverpool. Da haben wir drüber geredet. Roma ist raus, da haben sie recht. Und Bayern? Eigentlich kann da nichts mehr passieren. Aber ein schlechter Tag, und Candos Herrchen verspielt alles. Die Bayern sind nervös. Sie wissen es nur nicht. Sie müssen liefern, ins Finale einziehen. Den Pott holen. Aber mit biederem Bundesliga-Fußball kommt man in Europa nicht weit. Naja. Ganz Deutschland wartet auf den Fall. Dann können wir wieder spotten. Hamburg bietet dazu aktuell ja wenig Gelegenheit. Die kämpfen, die spielen Fußball. Die machen alles richtig. Nur viel zu spät. Wenn die Uhr dann anbleibt, werden wieder alle durchdrehen.

Eine traurige Nachricht zum Schluss: Ray Wilkins ist letzte Woche verstorben. Legende des englischen Fußballs, eine meiner eindrücklichsten Erinnerungen an die WM 1986 war seine Rote Karte gegen Marokko. Hat nur 2 Spiele damals bei der WM gemacht. Ruhen Sie in Frieden, Mr. Wilkins!

Hail Mary / Heaven wailing /  Let a blanket cover everything / Hold us high / Hold aside / Mother, don’t let us die before the springtime / I don’t need any love ‚cause I’ve got the elements / Electric light, electric license / I can add it all up / One plus one

 

 

werden sie neuerdings vom bvb bezahlt, herr dembowski?

Herr Dembowski! Der BVB verliert mit 0:6 Toren. Gegen Bayern. Gegen den großen Rivalen der Jetztzeit! Sie schweigen dazu! Wieso?

Ich schweige nicht, ich antworte. Wenn ich gefragt werde, aber das ist immer seltener der Fall. Vielleicht haben die Menschen Angst vor mir?

Oder „die Menschen“ geben nichts auf Ihre Meinung. Wir fragen trotzdem. Was war am Wochenende los?

Mein Gott. Die Jungs haben verloren. Gegen Bayern, für die der BVB immer noch ein besonderer Gegner ist. Die gehen da vollmotiviert dran. Übertragung in 208 Ländern. Sogar Nordkorea soll interessiert gewesen sein. Dann passiert das eben. Zwei frühe Tore, beide höchst umstritten. Kein Selbstvertrauen, altbekannte Probleme im Mittelfeld. Diese Niederlage ist nicht das Ende der Welt, sie ist maximal ein Zeichen dafür, dass die Zeiten sich geändert haben.

Nochmal: Der BVB hat sich blamiert. Und die Bundesliga gleich mit.

Geht es noch eine Nummer größer? Der BVB hat unter seinen Möglichkeiten gespielt. Die Borussen aber sind in einer schwachen Liga weiter ein guter Kandidat für einen Champions-League-Platz. Dann muss mal sehen. Die Niederlage bei den Bayern wird langfristig viel mehr Schaden bei den Bayern ausrichten. Sie werden als Zerstörer der Liga gelten. Der Wind hat sich gedreht.

Im Sommer soll der Umbruch folgen.

Umbruch ist immer so ein großes Wort. Es wirkt gehetzt. Alle schauen immer auf kurzfristige Entwicklungen, nie auf langfristige Ideen. Das ist doch auch hier der Fall. Die Borussen schrumpfen sich gesund, indem sie Wachstum verkünden. Wir hängen immerzu in der Vergangenheit fest, erinnern uns an 2010 bis 2013, die große Zeit. An das Verschwinden der Euphorie, an Klopps Abgang, an Tuchels Intermezzo. Aber das sind doch bei so einem großen Verein nur Augenblicke.

Der BVB ist in diesem Augenblick zerrissen. Auch weil Klopp und Tuchel ihn immer noch auf die Erde drücken. Wird das jemals aufhören?

Klopp wird immer einer der großen Trainer der Vereinsgeschichte bleiben. Er ist nicht mehr da. Für Tuchel war Borussia nie mehr als eine Durchgangsstation. Er hätte seinen Vertrag niemals verlängert, und als er in die Defensive geraten ist, sein Ende kommen sah, hat er um die Fans und um die öffentliche Meinung geworben. Weit vor dem Anschlag. Das wird gerne, zu gerne, vergessen. Tuchel hatte keine Zukunft in Dortmund. Er wollte diese auch nicht. Jetzt ist er Geschichte. Damit muss man sich abfinden. Was vor einem Jahr passierte, passierte eben auch vor einem Jahr. Jetzt aber ist Zukunft. Und die ist nicht so schlimm, zumindest weniger schlimm als in Ihrer Vorstellung.

Alles okay also?

Natürlich nicht. Jetzt kommt Kehl, jetzt berät Sammer. Aber erwarten Sie doch keine Wunderdinge. Entwicklung braucht Zeit. Die muss sich der Verein geben. Er wird sich die Zeit geben. Stellt jetzt die Weichen. Sie wollen die ganze Zeit zum Watzke-Interview, kommen nicht zum Punkt. Was doch interessanter ist: Der BVB will auf Erfahrung setzen.

Mehr Rode und weniger Isak?

Wie Sie meinen. Könnte auch bedeuten: Mehr Khedira und weniger Sancho. Wir werden das sehen. Die Transferpolitik der letzten Jahre war problematisch. Hummels konnte nie ersetzt werden, Gündogan auch nicht. Schon unter Klopp nicht. In der Liga der großen Klubs ist der BVB eine kleine Nummer. Das hat man erkannt, jetzt lässt man sich ins Feld zurückfallen, und verändert seinen Ansatz.

Und wenn ein Spieler einschlägt, wechselt er sofort nach England.

Das ist das Problem unserer Zeit. Darauf muss man Antworten finden. Die müssen vielschichtig sein. Die müssen vor allen Dingen den Verein wieder in der Stadt verankern. Diese Antworten müssen dazu dienen, der Borussia eine Identität zu verschaffen.

Ist Echte Liebe tot, Herr Dembowski?

Schon lange. Niemand weiß mehr, wofür der BVB überhaupt steht. Sicher nicht für einen abgehalferten Claim aus alten Klopp-Tagen. Wenn man in der Welt über Dortmund spricht, dann spricht man in erster Linie über das Westfalenstadion. Und darum sollte es doch gehen. Spieler kommen und gehen, das Westfalenstadion bleibt bestehen. Das muss der Ausgangspunkt der Geschichte sein. Ein Verein ist nicht mehr als die gelebte Erinnerung seiner Fans, und die größten Momente hängen damit zusammen.

Das bringt kurzfristig aber keinen sportlichen Erfolg. Den braucht Borussia, sonst stehen sie schon bald hinter Schalke.

Noch einmal: Es geht um eine langfristige Entwicklung. Ein Tiefpunkt ist immer ein Ausgangspunkt.

Hamburg fällt immer noch. Das ist die langfristige Entwicklung, die dem BVB droht. Alle Trainer bis auf Klopp waren Flop.

Dafür haben Sie sicher lange gebraucht. Die Generation 2005 tritt langsam zur Seite, neue Protagonisten werden an ihre Aufgaben gewöhnt. Ich bin positiv gestimmt.

Sie wollen immer die besondere Meinung haben.

Ich bin ehrlich.

Was sagt eigentlich Justin Hagenberg-Scholz zu Sammer? Was sagt Schill zu Sammer?

Hagenberg-Scholz ist durchgedreht. Er hält sich neuerdings für Marlene Dietrich. Schill ist zu sehr mit dem HSV beschäftigt. Sammer aber würde Schill lieben. Der ist ehrlich, nicht populistisch. Der hat Sachverstand, lässt ihn aber nicht raushängen. Der ist klar, will aber nicht protzen. Hagenberg-Scholz ist das Gegenteil. Und liebenswürdig.

Wann wird der BVB aus der Rückschau in 2050 das letzte Mal Meister gewesen sein?

Was ist das für eine Frage. Kann man nicht beantworten. Sicherlich nach 2012. Das wollen Sie hören. Sie wollen hören, dass endlich noch ein Traditionsverein gestürzt ist, dass die ordentlich auf die Schnauze bekommen haben. Das wird nicht passieren.

Wann wird es mal wieder richtig Sammer?

Jetzt reicht es mir.

Werden Sie neuerdings vom BVB bezahlt, Herr Dembowski?

Kein Kommentar.

Muss dieser positive Spin unbedingt sein?

Das Ende, das Sie jetzt sehen, habe ich bereits im Dezember 2017 angekündigt. Ich hatte Zeit. Sie haben die nicht. Ich denke langfristig. Sie lassen sich hetzen.

Wird der BVB in die UCL einziehen?

Ja.

Herr Dembowski, herzlichen Dank für Ihre Zeit.

Sie hätten mir auch gerne mal gratulieren können. Sieben Jahre Dembowski Ermittelt! Was ich schon alles erlebt.

Glückwunsch.

Danke.