#didwardiefragegewesen

Herzlich willkommen zur ersten großen DID-Fragerunden. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Ihr Dietfried Dembowski

Hashtag: #DIDwarDieFrageGewesen

 

Die Bayern verlieren zwei Spiele in Folge! Müssen die jetzt absteigen?

Nein. Es ist zwar richtig, dass der Rekordmeister zwei Spiele in Folge verloren hat. Was viele besorgte Fans jetzt vergessen. Bayern verlor je ein Spiel in der Bundesliga und in der Champions League. In beiden Wettbewerben befinden sie sich nun ordnungsgemäß auf dem zweiten Tabellenplatz. Sie werden auch im Frühjahr 2017 noch in der Bundesliga vertreten sein, und im Achtefinale der Champions League antreten dürfen.

 

Ist die Erde eine Scheibe?

Ja! Die Erde wird von einem Eisring umgeben, der die Welt, zumindest so wie wir sie kennen, zusammenhält. Deswegen wird es immer kälter. Es gibt kein Global Warming. Die Sonne kreist über die Erde und leuchtet die Scheibe aus. Mehr erklärt David Bowie in einer verschollenenen Version von Space Oddity. „Earth is flat, and there is a dome above us all. This is mind control to Major Tom. We’ve fooled the human race!” Diese Version liegt uns heute leider nicht vor. Deswegen schauen wir noch einmal die Version, die den Cut geschafft hat.

 

Wenn die Erde eine Scheibe ist, wo war Boateng dann?

Diese Frage muss Karl-Heinz Rummenigge beantworten. Wir könnten an dieser Stelle nur Vermutungen anstellen. Davon wollen wir absehen. Es steht schlimm genug um den FC Bayern München.

 

Ist das Ingame-Coaching von Rotweinliebhaber Carlo Ancelotti noch tragbar?

Nein. Ancelotti hat, wie sein ewiger Gegenspieler Jose Mourinho, die Fähigkeit verloren, auf angemessenem Niveau auf die Anforderungen des modernen Fußballs zu reagieren. Er ist für Bayer München das was Louis Van Gaal für Manchester United war: Ein der guten alten Zeit hinterherhechelnder Vereinsvernichter.

 

Wer sorgt dafür, dass Bayern-Fans für 7€ in die Südkurve dürfen?

Uli Hoeneß! Der zukünftige Bayern-Präsident ist das soziale Gewissen der Liga.

 

Ist das nicht traurig?

Ja.

 

Wird Uli Hoeneß morgen sein Retter-Shirt tragen?

Nein. Er wird sich dem Anlass entsprechend kleiden, und mit einer langen Rede den Verein aus der Krise führen.

 

Auf wie vielen Ebenen muss die Liga sich nach den Bayern-Niederlagen jetzt hinterfragen?

Der Liga geht es blendend. Sie ist die beste Liga der Welt. Das beweisen die Ergebnissen der letzten Wochen. Die sportliche Qualität ist in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Nun kehrt die Spannung zurück. Das brauchte die Liga, das wussten die Protagonisten. Die Liga muss sich auf null Ebenen hinterfragen.

 

Marco Reus hat nach dem 8:4 Erfolg gegen Legia Warschau den Ball mitgenommen. Durfte er das?

Nein! Eine der ungeschriebenen Regeln des Spiels besagt, dass nur der Schütze von mindestens drei Toren einen Platz in der Vitrine freiräumen muss. Reus hat sich den Ball unrechtmäßig angeeignet. Die UEFA wird jedoch nicht ermitteln. Sie hat Ermessensspielraum, und verzichtet aufgrund der seltenen Einsätze des Dortmunder Kapitäns auf eine drakonische Strafe.

 

Hans-Joachim Watzke hat nun bereits seit 24 Stunden kein Interview mehr gegeben? Müssen wir uns Sorgen machen?

Nein! Hans-Joachim Watzke bereitet sich akribisch auf die Uli-Hoeneß-Rückkehr vor. In den nächsten Wochen steht erneut ein Interview-Marathon an.  In der Süddeutschen stichelt er bereits.

 

Hat Thomas Tuchel Prinzipien?

Nein. Er hat erst das Ballbesitzspiel verraten. Und gegen Legia Warschau vollständig auf eine Verteidigung verzichtet. Mit Thomas Tuchel endet die Geschichte des Ballspielvereins Borussia aus Dortmund.

 

Ist RB Leipzig so gut wie Leicester City?

Das können wir nur erahnen. Doch alle Kennzahlen deuten darauf hin. Der Newcomer des Jahres bewegt die Menschen. Er führt den Fußball endgültig in das Unterhaltungszeitalter. Das kann man nur begrüßen. Die Transferausgaben sind dabei verschwindend gering, und sollten einfach einmal so akzeptiert werden. Die Leipziger schreiben ein modernes Fußballmärchen, und sind das neue Leicester und das neue Borussia Dortmund zusammen. Sie machen die Bundesliga wieder groß.

 

Ist Pep Guardiola ein Hochstapler?

Nein. Er bekam beim FC Bayern keine Chance. Die Medien haben eine große Chance verpasst, sich mit dem katalanischen Freiheitskämpfer anzufreunden. Bayern war ohne Uli Hoeneß handlungsunfähig, deswegen zog er bereits nach drei Jahren und gegen seinen eigenen Willen weiter nach Manchester. Dort bastelt er nun an der Zukunft des Weltfußballs.

 

Ist Andre Schubert so gut wie Pep Guardiola?

Ja. Das legen seine Resultate im direkten Vergleich mit dem katalanischen Tüftler nahe. Andre Schubert wird von der deutschen Öffentlichkeit unterschätzt. Die Medien verpassen aktuell eine große Chance, sich mit dem Visionär anzufreunden.

 

Wird Hertha BSC demnächst nach Brandenburg ausweichen?

Nein. Das wird nicht passieren. Die alte Dame Hertha ist der Hauptstadtverein und verhandelt hinter den Kulissen mit dem neuen Senat. Es geht um das Areal an der Eberswalder Straße. Hertha kehrt heim in den Prenzlauer Berg.

 

Kann Markus Gisdol den Hamburger SV retten?

Nein. Doch es liegt nicht an ihm. Der unumstrittene Trainer wird nicht über die volle Distanz gehen dürfen. Darauf deuten alle Anzeichen hin. Nicht Gisdol ist das Problem, sondern die Entlassung von Jürgen Klinsmann. Ein großer Name, der Hamburg zurück auf die Landkarte des Weltfußballs bringen wird.

 

Wird Julian Nagelsmann jemals altern?

Nein. Für uns wird er immer der 29-jährige Wundertrainer sein.

 

Wird Steven Gerrard jemals die Premier League gewinnen?

Nein. Er hat heute seine Karriere beendet. Que Gerrard, Gerrard, whatever will be, will be.

 

Werden die Pommes in der Curry Baude demnächst besser?

Nein. Sie sind bereits sehr gut. Wie auch das Schulle.

 

 

wie war der spieltag, dembowski?

Herr Dembowski, nach 11.Spieltagen treffen wir uns also wieder.

Die Welt braucht mich. Die Welt braucht eine Stimme der Vernunft. Das ist alternativlos. Ich, Dembowski, bin alternativlos.

 

Das wird sich zeigen. Der BVB gewinnt das Spitzenspiel der Liga.

Sie also auch? Sie unterschätzen Leipzig auch. Das Spitzenspiel der Liga fand in Leverkusen statt. Lösen Sie sich von Zuschauerzahlen, lösen Sie sich von der Tradition. Sie hat keine Zukunft. Das Spektakel in der Bay-Arena war einmalig.

 

Ich folge Ihnen da nur ungern, aber bleiben wir doch für einen Moment in Leverkusen. Was war daran ein Spitzenspiel? Das Spiel lebte von Fehlern.

Ohne Fehler keine Tore. Schmidts Hochgeschwindigkeitsfußball ist nicht perfekt, das gebe ich gerne zu. Doch er scheut kein Risiko, schickt seine Spieler nach vorne, will immer das nächste Tor und wenn es für den Gegner ist. So geschehen beim wunderbaren 2:2 Ausgleich. Ballverlust, handgestoppte 7.3 Sekunden Ballbesitz. Abschluß Forsberg. Ein Flatterball. Leno sieht da schlecht aus. Aber Fußball lebt von Fehlern, oder Eigentoren. Oder Fehlentscheidungen. Nicht aber von den Fans, die ihre Rolle überhöhen. Sie sind Beiwerk, sie sind ein schmückendes Element. Auf die können wir verzichten. Ich analysiere Spiele, und keine Choreographien. Wann hat das überhaupt angefangen?

 

Fans sind nur Beiwerk?

Ja. Ich war neulich erst in Warschau. Ein fantastisches Spiel. 3:3, ständig wechselte die Führung. Mal lag Madrid vorn, dann Legia. Und am Ende: Unentschieden. Ein paar Zuschauer hatten zwar ins Stadion gefunden, doch es zählte nur das Spiel, es zählten die Bewegungen auf dem Platz, die langen Seitenwechsel, das Verschieben, das kompakte Verteidigen, der plötzliche Tempowechsel. Real miut einer 4-2-4 Formation. Das hätte sich Zidane vor Zuschauern nie getraut. Aber das zählte. Ich habe die Zukunft gesehen, und da dominierte das Spiel und nicht der Zuschauer.

 

Aber ohne Zuschauer keine Umsätze. Das dürfte doch bekannt sein.

Vor dem Fernseher kann ich prima Merchandise bestellen. Stichwort: Second Screen.  Vadis Odjidja-Ofoe trifft. Ich sehe auf einem Bildschirm noch die Wiederholung, auf meinem Tablet verfolge ich den Laufweg, den Passweg und auf dem Laptop bestelle ich mir sein Trikot. Ich bin als Zuschauer informierter, näher dran, und echter, wenn ich Teil der Onscreen-Experience werde. Deswegen: Leverkusen gegen Leipzig war das Spitzenspiel. Lassen Sie sich von Populisten nichts erzählen, achten Sie auf die Qualität. Diese kann man dem Grottenkick BVB vs FC Bayern München absprechen.

 

Inwiefern?

Der BVB trat jugendlich, erfolgshungrig, talentiert auf. Mit einer Mannschaft, die über 26 Jahre alt war. Dem Team fehlt ein Leader, eine echte Struktur. Dieses Team hat den Abgang von Mats Hummels immer noch nicht verschmerzt, und konnte nur gewinnen, indem sie auf schnelle Angriffe über Aubameyang gesetzt haben.

Aber das Tor fiel nach einem Ballgewinn tief in der Münchener Hälfte.

Zufall. Die wirkliche Chance des Spiels hatte Aubameyang später. Da lief er frei auf Manuel Neuer zu. Geschwindigkeit und kein Verstand. Das zeichnet diese durchschnittliche Dortmunder Mannschaft aus.

 

Und Bayern?

Bayern ohne Pep ist Bayern ohne Pep. Der Abgang des Übervaters der Ballbesitzbewegung hat ein riesiges Loch gerissen. Ancelotti, der Verwalter aller Spielstile, kann das nicht annähernd füllen. Mich würde nicht wundern, wenn Philipp Lahm die letzten Monate seiner aktiven Laufbahn als Spielertrainer um den Einzug in die Champions League kämpfen muss. Für die geht es jetzt gegen Leverkusen, und die sind dank Schmidts Powerfußball nicht nur nicht ausrechenbar, sondern unfassbar schwer zu bespielen. Noch vor Weihnachten verschwinden die Bayern aus dem oberen Tabellendrittel.

 

Am Freitag kehrt Uli Hoeneß zurück. Was kann er dem Verein noch geben?

In dieser Woche werden wir große Stücke über ihn lesen. Der kicker hat die Festwoche bereits mit einer rührseligen Homestory eröffnet. Hoeneß, geläutert, gibt fortan das reine Gewissen in den kalten Krisenzeiten. Aber es wird zur Verwerfungen kommen, innerhalb des Vereins wird der Internationalisierungskurs nicht mehr unumstritten sein. Rummenigge wird seine Macht nicht herschenken, Hoeneß ohne Macht nicht funktionieren. Spannend.

 

Kann Leipzig von diesem Machtkampf profitieren?

Nein. RB Leipzig ist dazu nicht in der Lage. Sie berauschen sich momentan an ihrem Erfolg. Daran werden sie ersticken. Auch in Ingolstadt ist Hasenhüttl in der zweiten Saisonhälfte eingebrochen. Die erste Niederlage wird den Absturz einläuten. Machen Sie sich da keine Sorgen. Leverkusen hingegen? Mein Titelkandidat. Sie müssen nur ihre Elfer verwandeln.

 

Nicht Nagelsmanns Hoffenheim?

Wer 2:2 gegen den HSV spielt, wer also nicht drei Punkte holt, braucht keine Ansprüche anmelden. Fragen Sie nach bei Schubert.

 

Wie macht sich die Hertha?

Pal Dardai ist der beste Trainer der Liga. Er lässt Männerfußball spielen, er kann Menschen führen. Bei Hertha steht die Position über dem Spieler. Ein Team ohne Stars. Ein Team ohne Eitelkeiten. Ein Team mit einem echten Leader. Hertha wird diese Saison in den Top4 abschließen. Danach kommt der neue Investor aus China, und danach ist alles möglich. Auch hier lässt sich übrigens meine These bestätigen. Fußball ohne Zuschauer ist auf Dauer erfolgreicher. Oder wann waren Sie das letzte Mal im Westend?

 

Pokalfinale, Pokalhalbfinale. Wenn dort Fußball gespielt wird.

Gehen Sie mal hin. Es lohnt sich. Nächste Woche kommt Mainz. Dürfte auch für Hagenberg-Scholz spannend sein. Mainz bringt den Weltfußballer mit. 40.000 Zuschauer, ein Weltfußballer und der DID! Did wäre doch was.

 

Try, fail, win. Ohne uns. Wie lange bleibt 50+1?

50+1 fällt vor Katar, 50+1 fällt, wenn die Superliga eingeführt wird. Anders wären die deutschen Vertreter nicht mehr wettbewerbsfähig. Die neue Bedrohung kommt aus Spanien, sagt Karl-Heinz Rummenigge, sagt auch Aki Watzke. Man versteht sich jetzt. Das ist wichtig. Die Liga muss sich geschlossen präsentieren. So ist auch das angebliche Titelrennen zu verstehen. Das brauchten wir jetzt. Das war alternativlos. Die Liga brauchte eine neue Geschichte, die Liga bekam eine neue Geschichte. Während nun Abgeordnete der Weltpresse Leipzig belagern, und sie dort den Fokus verlieren, planen Watzke und Rummenigge den Sprung in die Welt. Eine willkommenere Atempause konnte es nicht geben. Wir müssen jetzt nur auf Hoeneß aufpassen. Der kann den schönen Plan noch zerstören.

 

Herr Dembowski, Europa, die Welt! Sie sprechen die großen Themen an. Wo bleibt das DID POWER RANKING?

Damit haben wir uns lange genug zur Lachnummer der Kollegen gemacht. Wenn der Fußball nicht vergleichbar sein kann, dann sollen auch keine Zuschauer mehr kommen, dann ist er erfolgreicher.

 

Und sonst?

Es ist Krieg, ich schlafe wenig. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Wir müssen uns jetzt wehren. Fußball ist nicht mehr so wichtig. Aber er ist immer noch schön.

krise überwunden: ist der bvb jetzt titelkandidat? ein gastkommentar

Manchmal öffnete ich die Tür. Doch dann waren da Menschen. Ich schloß die Tür wieder. Mein Leben spielte sich nun ausschließlich online ab. Dort konnte ich die Menschen ausblenden. Ich musste nicht mit ihnen in Kontakt treten. Schill hatte mir seine alten Schulle-Bestände vermacht, und mein Essen lieferte mir einer dieser Bringdienste, die sich nun auch über die Böse Brücke in den Soldiner Kiez trauten. Ich hörte Gravenhurst. Nick Talbot war nun auch bereits beinahe zwei Jahre nicht mehr hier.

Nur die Dämonen war zurück. An manchen Tagen war ich mutig. An anderen Tagen ertrug ich mein Spiegelbild nicht. Auf der Welt braute sich ein Sturm zusammen, in mir tobte er längst. Er zerstörte mich, und er hob mich, wenn ich in seinem Auge war.

In der Liga zogen die Bayern ihre Kreise, Hertha und Hoffenheim unternahmen zaghafte Angriffsversuche, und die neue Macht aus Leipzig surfte auf der Welle, auf die sie der Ballspielverein bereits am zweiten Spieltag befördert hatte. Die Borussia fand nicht statt. Tuchel wechselte seine Abwehrformationen wie einst Thomas Doll. Die Offensive fand nicht statt. Zwar war das Götze-Theater lange vergessen, doch auch der Rückkehrer strahlte nur noch Schwäche und Unentschlossenheit aus. Er war wie ich: Er war gefangen im Glanz seiner Vergangenheit. Er war ein ewiges Versprechen. Beim BVB konnte er es erneut nicht einlösen. Die Saison drohte keine Übergangssaison, sondern vielmehr eine Katastrophensaison zu werden.

Etwas musste passieren. Ich dachte an Pit Gottschalk. Ich dachte an seine Kommentare, und wie sie mir in diesen kalten Tagen Hoffnung gaben. Ich muss auf einigen Schulle gewesen sein, aber ich wagte es: Ich sprach ihn an. In der digitalen Welt, in der er mir mit seinen Periscope-Reportagen die große Welt in meine verrauchte Bude gegenüber des Soldiner Ecks gebracht hatte. Pit war sofort bereit. Er schenkte mir Worte, aber keine Hoffnung. Immerhin lebte der DID wieder. Es würde ein langer, kalter Winter werden.

 

Krise überwunden: Ist Borussia Dortmund jetzt Titelkandidat?

Ein Gastkommentar von Pit Gottschalk

 

Fragt mich @uersfeld auf Twitter doch eiskalt: „Würden Sie das unterschreiben?“ Und schleudert mir seine These zu Borussia Dortmund mit zwei Ausrufezeichen entgegen: „Titelkandidat! Sie hatten ihre Krise bereits!“ Ich, verdutzt und spontan: „Nicht unbedingt.“

 

Schon begann ich zu grübeln.

 

Borussia Dortmund und Titelkandidat: Ja, hätte ich vor Saisonbeginn auch gesagt. Wer eine dreistellige Millionensumme in neue Spieler investiert und zwei Weltmeister verpflichtet, kann sich nicht mit der Erwartung auf einen Champions-League-Platz herausmogeln. Mein erster Gedanke.

 

Der zweite: Ist die Mannschaft zu jung? Sagt der Watzke auch immer: In zwei, drei Jahren — dann könne der BVB zu voller Reife gelangen. Ebenbürtig mit dem scheinbar unbesiegbaren FC Bayern. Jung, nicht ausgereift, dann Verletzungspech: Klingt alles logisch. Aber nicht zwingend.

 

Deutschland wurde mit einer der jüngsten Turniermannschaften ever Weltmeister. Hurra-Fußball kann Schema F besiegen. Hat Klopp ja zweimal in der Bundesliga bewiesen. Und außerdem: Wo steht geschrieben, dass es eine Altersbeschränkung für Meisterschaften gibt?

 

Zu Saisonbeginn erkor ich Borussia Dortmund provozierend zum Bayern-Jäger und ermahnte zur Kontinuität: Wenn der Süden sein Tief erlebt, muss im Westen die Sonne aufgehen. Oder so ähnlich. Danach verlor Dortmund mit 0:1 in Leipzig. Ausgerechnet beim Aufsteiger.

 

Eine weitere Niederlage in Leverkusen und drei Unentschieden folgten im Verlauf der zehn Spieltage, eine kurze Durststrecke ohne Siege. Von einer Mini-Krise war die Rede. Daraus folgert @uersfeld also: Das passiert einmal und nicht wieder — Bayern, wir kommen?

 

Nun, das Schöne am Fußball ist: Was zählt, ist auf’m Platz. Woche für Woche muss ich meine Prognosen überprüfen, ob sie mit wachsendem Erkenntnisgewinn noch haltbar sind. Man kann die Saison noch so professionell planen: Erst das Spiel offenbart Charakter und Potenzial.

 

Worauf ich beim Spiel achte: Wie reagiert ein Spieler unter Druck? Wie ändert sich sein Zusammenspiel mit anderen, die ebenfalls unter Druck sind? Fügt sich diese Summe aus Zusammenspielen zu einem Gesamtkunstwerk, das preisverdächtig harmoniert?

 

Was ich meine: Niemand konnte den Aufstieg von Julian Weigl voraussehen. Er kam aus der Geisterkulisse von 1860 München und sollte plötzlich vor einer Gelben Wand spielen, die alles verzeiht — nur keine Mutlosigkeit und keine schiefen Pässe.

 

Erst die Realität („Was zählt, ist auf’m Platz“) bewies seine wahre Klasse. Und das umgehend. Bayer-Import Gonzalo Castro, eigentlich versierter und erfahrener, hat fast ein Jahr gebraucht, um zu seinem aktuellen Leistungshoch im Westfalenstadion zu gelangen. Verrrückte Welt.

 

So blicke ich einzeln und Spieltag für Spieltag auf jeden Neuling: Mor, Dembele, Guirreiro, Bartra, Rode — jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich rum, das er beim BVB schultern muss. Alter. Ablöse. Erwartungshaltung. Sprache. Bayern. Titel hängen davon ab, wie schnell sie schultern.

 

Dazu Götze und Schürrle. Auch ihre Formkurven wiesen seit dem WM-Sieg 2014 große Amplituden aus. Mit Reus sollten sie ein Dreieck bilden, das mindestens magisch ist und am besten verzaubernd. Nicht ein einziges Mal konnten die drei bisher miteinander auftreten.

Hinzu kommt eine Komponente: die Leistungskurve. Die wird nicht nur von Verletzungen, Fitnesswerten und Familienstand beeinflusst. Auch vom Kopf. Wir erinnern uns an Hoffenheim, wie die nach dem Aufstieg zur Herbstmeisterschaft stürmten. Dann begannen Spieler zu denken.

 

Was bedeutet die Meisterschaft für mich? Werde ich adäquat für meine Leistung bezahlt? Kann ich anderswo mehr verdienen? Ach, Hoffenheim ist ja doch sehr klein… Plötzlich war Gift in der Truppe. Sogar Erfolgstrainer Rangnick konnte nicht mehr gegensteuern.

 

Wie also reagiert die junge Truppe von Borussia Dortmund, wenn der Schnee schmilzt und die Gedanken Richtung neue Saison kreisen? Wird jeder Spieler mit Thomas Tuchels Rotation einverstanden sein? Konkret: Kam Rode nicht zum BVB, weil er immer spielen wollte?

 

Um es ausdrücklich zu sagen: Das sind alles hypothetische Fragen und die meinen. Aber sie beschäftigen Journalisten, die nach jedem Spiel Erklärungen für die Leistungen von Fußballprofis suchen. Taktik, Statistik, Kader, Strategie: An Erklärungsversuchen mangelt es niemals.

 

Alle Beurteilungen sind in der Bundesliga auf die eine Fragestellung ausgerichtet: Was kann die Mannschaft? Wenn @uersfeld also die These aufstellt, dass die Krise schon bewältigt und der größte Stoplerstein schon überwunden ist, muss ich ihm halb widersprechen: „nur bedingt“.

 

Die guten Journalisten unterscheiden sich von den schlechten und von den Besserwissern in den Sozialen Netzwerken dadurch, dass sie Parallelen zu vergleichbaren Fällen herstellen, die Protagonisten des Spiels fragen und eine fachliche Expertise äußern können.

 

Natürlich können die Journalisten nicht die absolute Wahrheit beanspruchen. Tun sie auch nicht. Sie sind nur ehrlich bemüht, der Wahrheit, wie es um die Mannschaft bestellt ist, möglichst nahe zu kommen. Fehleinschätzungen nicht ausgeschlossen. Nicht bei mir. Und bei keinem anderen.

 

Darum schätze ich bei Borussia Hans-Joachim Watzke so. Er verkörpert die Mischung aus Fanbetrachtung und Experten-Insiderwissen. Mit der Nähe zum Inneren der Umkleidekabine sind seine Beurteilungen profund. Wenn er sagt: Die Mannschaft braucht noch Zeit, glaube ich ihm.

 

Borussia Dortmund Titelkandidat? Kann sein. Muss aber nicht. Ich schaue auf die Tabelle und sehe den BVB auf Platz 5 mit sechs Punkten Rückstand auf Bayern München. Borussia Dortmund Titelkandidat? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.

 

Mit Pit Gottschalk diskutieren auf http://www.twitter.com/pitgottschalk