thies fragt, dembo antwortet – did powerranking

Platz 35: Gladbach. Wann fliegt Hecking? Und wann wird er durch Heckingbottom ersetzt? Kennen Sie den? Interessant, dass es da noch keine Wortspiele zu lesen gab.

Was ein unfassbarer Unfug. Haben Sie mich nicht noch vor ein paar Wochen angegriffen, weil ich nicht auf den Heckingzug aufsteigen wollte? What comes up must come down. Spinning wheel go to round. Klasse. Heckingbottom. Leeds! Die große Schule. Sie beherrschen das wirkllich außerordentlich! Paul Heckingbottom hat Barnsely verraten, ist zu Leeds. Ein echter Hecking-Move. Kennen wir noch von Nürnberg, Wolfsburg damals. Definitiv lustig.

Platz 20: Der Ballspielverein will mit Stöger verlängern und zudem einen Sechser holen. Kommt Tinga zurück??

Der BVB will nicht mit Stöger verlängern. Der BVB fürchtet sich vielmehr davor, mit Stöger verlängern zu müssen. Kannste doch keinem Fan verkaufen, schon wieder einen Erfolgscoach rauszuschmeißen. Der Österreicher passt mit seinem Anti-Fußball nicht nach Dortmund. Tut mir leid für den Kauz, aber kann ich nicht ändern. Tinga? Fass Tinga! Das waren noch Zeiten. Der BVB unter Doll. Gegen Hertha. An einem Freitag. Das Spiel meines Lebens. Sie sagen Tinga und ich frage: Guy Demel? Was macht der eigentlich heute?

Platz 8: Real Madrid: Starten sie nach dem Kantersieg gegen Real Sociedad die große Aufholjagd im DID Powerranking?

Real Sociedad ist ne irre Truppe. Die kennen nur Tore. Sind im Power Ranking abgerutscht, dafür weiter und mit Abstand die unterhaltsamste Mannschaft der Welt. Da gelingt sogar den Königlichen ein Schützenfest. Einen großen Sprung werden die nicht mehr machen. Für die Champions League sollten wir die aber weiter auf der Rechnung machen. Hartmut Engler schreibt schon einen Song! Hat sich dafür mit Ed Sheeran in einen Keller eingeschlossen. Und ich habe die Schlüssel. Toni Kroos is not amused. Was freue ich mich schon auf den Film über Deutschlands letzten Superstar. Kommen Sie mit?

Letzte Woche haben wir nicht miteinander gesprochen. Sie haben mich für Julian Green sitzen lassen? Wie ist der so privat?

Klasse Typ. War mega-nervös. Ist aber auch klar, wenn man Dembo trifft. Geht mir morgens nicht anders. Ganz ehrlich: Green wurde oft ausgelacht. Er habe es nicht drauf und überhaupt. Aber er konnte nichts für den Hype. Green hat in Fürth seinen Frieden gefunden. Aber im Sommer muss er zurück nach Canstatt. Und dann geht wieder alles von vorne los. Was ein Geschäft.

Was können wir von der aktuellen Spielrunde in der Königsklasse erwarten? Champagnerfußball allerorten?

Champions League ohne Bundesliga! Das ist nicht mehr meine Champions League. Ich muss mal schauen, wer da überhaupt gegeneinander antritt. Tottenham vs Juventus? Das ist einfach das Spiel des Jahrhunderts. Wissen Sie was, Herr Thies? Ich hoffe auf ein Finale zwischen Tottenham und Liverpool. Das wäre ganz fantastisch. Diese beiden Teams schaue ich in dieser Saison besonders gern. Barcelona in Basel? Pep wieder mit ein paar Wundermitteln für Leroy Sane, der damit bereits jetzt die WM verpasst. Schade für ihn. Klopp gegen Porto. Real gegen PSG! Noch so ein Kracher! Vielleicht sogar das Spiel des Jahrtausends? Ich bin gespannt. Aber mehr kann ich Ihnen wirklich nicht sagen.

Anderes Thema, Herr Dembowski. Die Champions League in meinem Herzen. Wird der Metzgerssohn der Trainer sein, der den HSV in die 2. Liga führt? Können Sie mir noch Hoffnung machen?

Nein. Der HSV hat zu lange in den Abgrund gestarrt. Jetzt fällt er rein. Das ist unfassbar tragisch. Und ich würde es gerne ändern, aber alle Modelle zeigen das: Der HSV stürzt! Und er stürzt für eine lange, lange Zeit. Auffem Bus oder runter vom Bus.

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müssen wir uli hoeneß wieder ernst nehmen, herr dembowski?

Das ist erstaunlich, Herr Dembowski! Sie haben am Deadline Day Zeit?

Selbstverständlich. Die nehme ich mir gerne. Die Menschen brauchen eine unabhängige Stimme. Die Menschen brauchen mich.

Pierre-Emerick Aubameyang wird Dortmund, wird die Liga verlassen. Ihre Einschätzung?

Mit Aubameyang geht ein Exzentriker, ein Paradiesvogel. Einer, der seine Hecke auch mal nicht geschnitten hat. Damit passte er auf Dauer nicht in die Bundesliga. Aubameyang begreift Fußball als Unterhaltung. Er lässt, wie man so schön sagt, auch mal alle Fünfe gerade sein, jubelt mal mit dieser und dann mit jener Maske. Er schlägt vor Freude Purzelbäume. Das hat nie gepasst. Aubameyang ist nie verletzt, lebt hoch professionell, liefert regelmäßig ab. Doch hier wurden nur seine goldenen Autos, seine extravaganten Outfits, seine Gang gesehen. Das ist nicht korrekt. Aubameyang war einer der größten Spieler der jüngeren Vereinsgeschichte. Für einen 28-jährigen erzielt er nun noch eine bemerkenswerte Ablösesumme.

Trotzdem geht er nun mit lautem Getöse. Wieder zerbricht etwas in Dortmund.

Er wollte bereits im Sommer gehen, und mit Beginn der großen Krise verlor er offensichtlich das Interesse. Wer will es ihm verübeln? Seit der genickbrechenden Niederlage gegen Leipzig gelangen ihm nur noch 3 Treffer in 8 Ligaspielen. Eine schlechte Quote bei insgesamt 98 Treffern in 144 Ligaspielen. Er wollte weg und in Dortmund war er längst ein Gesicht der Krise. Für einen Spieler wie Aubameyang ein nicht zu akzeptierender Zustand.

Und deswegen das Getöse?

Wer weiß das schon. Es ist doch auffällig: Den Leistungsträgern, denen die das Geld einspielen also, wirft man in Dortmund seit Jahren Dreck hinterher, während die Publikumslieblinge keine Leistungsträger sind. Die stehen für die Verbundenheit mit dem Verein, die stehen für Leidenschaft, sagen die Fans. Sie stehen, wenn man so will, für die menschelnde Mittelmäßigkeit, die man sich auf den Tribünen des Stadions schon lange zurückwünscht.

Wie meinen Sie das, Herr Dembowski?

Das Leben am oberen Ende der Nahrungskette ist komplex. Man muss nach hinten schauen, man wird gejagt, und man muss jagen. Man braucht eine Transferstrategie, man braucht eine Idee, welchen Fußball man spielen lassen will, man darf nicht verlieren, jede Handlung wird von der Öffentlichkeit zerlegt. Dort oben hast Du mehr Wettbewerb. Nahe der Spitze ist es einsam und gefährlich. Gerade, wenn dich der Zufall dorthin gespült hat, und du nicht einmal mit deiner eigenen Vergangenheit Frieden geschlossen hast.

Was bedeutet das konkret?

Michael Meier und Gerd Niebaum, wichtige Bausteine der ersten Welle in den 1990ern-Jahren, finden in der Vereinsgeschichte weiter nur als Beinahe-Totengräber statt. Es ist langsam an der Zeit, einen historischen Blick auf das Schaffen der ehemaligen Vereinsführung zu werfen. Sie haben Dinge von Bestand erschaffen. Sie haben die Basis für die große Fanbasis gelegt, und das Stadion zum besten Fußballstadion der Welt ausgebaut. Das darf man nicht vergessen. Sie haben den Größenwahn des Fußballs vorausgesehen, und haben es am Ende natürlich übertrieben.

Steile These, Dembo. Blicken wir noch kurz auf Bartras Abgang.

Dazu ist alles gesagt. Er hat Dortmund verlassen, weil es nicht mehr anders ging. Aber nicht einmal dieser Transfer ist komplett sauber über die Bühne gegangen. Ein paar Merkwürdigkeiten gab es rund um seine Aussage vor Gericht und dann noch einmal um sein Abschiedsposting. Bartra will keine Schwäche zeigen. Das ist schade. Aber verständlich. Es sind schlimme Dinge passiert. Der Fußball ist ein Drecksgeschäft, kennt scheinbar nur Stärke. Wissen Sie, was mich wundert?

Nein.

Bei jedem Mist, kommt irgendwer mit „denkt denn keiner an Enke“ um die Ecke. Geht es einem Spieler vor den Augen der Öffentlichkeit jedoch schlecht, sind wir einfach hilflos. Er leidet offensichtlich unter dem, was ihm passiert ist, und niemand hat Zugriff darauf bekommen.

Das mag sein. Was schlagen Sie vor?

Ich habe keine Ahnung.

Themenwechsel: Der Endboss ist zurück im Geschäft. Müssen wir Uli Hoeneß in Zukunft wieder ernst nehmen, Herr Dembowski?

Wir sollten aufhören, den Worten des Bayern-Präsidenten Bedeutung beizumessen. Er hat jetzt wieder Oberwasser, und seine Stimme wird gerne gehört. Er polarisiert. Er ist ein Name. Ich vergleiche das gerne mit dem US-Präsidenten: Alle schimpfen, alle jammern, alle verspotten ihn, doch die breite Basis mag jemanden, der klare Kante zeigt. Da ist es fast egal, was er sagt. Hoeneß ist ein Menschenfischer, und das macht mir Angst.

Sie sind schon wieder so deep.

Danke. Und jetzt entschuldigen Sie mich: Das Transferfenster schließt gleich. Ich höre noch ein wenig Chuck Berry.

darf man fußballer beleidigen, herr dembowski?

Hallo, Herr Dembowski!

Sie schon wieder. Ich wollte nicht mehr mit Ihnen reden.

Wir müssen aber. Dauert nicht lang. Nur ein paar Fragen.

Legen Sie los. Ich höre gute Musik, habe keine Zeit für schlechte Fragen.

Jammern Sie nicht.  Aubameyang vor dem Absprung. Was ist passiert, Herr Dembowski.

Kann ich ihnen nicht sagen. Aubameyang bekommt ein fettes Handgeld, wechselt also aus unerfindlichen Gründen nach London und hinterlässt wieder verbrannte Erde. Was für ein Scheiß man sich da in den letzten Wochen antun musste. Die Affenzirkus-Nummer als Krönung. Wir befinden uns tatsächlich in einem Bullshit-Zeitalter. Und jeder hat dazu eine Meinung. Ich nur noch selten.

Der BVB schon wieder in einer Dauerkrise. Was ist beim Ballspielverein los, Herr Dembowski?

Der Vereine befindet sich auf einem kostspieligen Selbstfindungstrip. Das ist da los. Das ist auch okay. Das kann alles passieren. Es muss nicht immer Perfektion sein. Das Leben ist kein Spielverlagerungs-Entwurf. Und auch ein lebender Verein kann sich seine Krisen nehmen. Wird eben alles befeuert. Schauen Sie aber gerne auch über die Grenzen. Aus dem Ausland prasselt weiter uneingeschränktes Lob auf den BVB ein. Tolle Transferpolitik. Solide gewirtschaftet. Ein fantastisches Fundament geschaffen. Ein Vorbild für alle, heißt es da.

Schaut man sich die Transferbilanz der letzten Jahre an, dann stimmt das auch. Wieso kritisieren sie das?

Weil die Dortmunder Transferpolitik sich die Feinde im eigenen Haus züchtet. Die Spieler kommen nach Dortmund, entwickeln sich, wollen weg, finden in einer stets aufgeregten Öffentlichkeit immer neue und kreative Wege, ihre Transfers durchzusetzen. Dann gehen sie mit viel Wirbel für viel Geld, andere Spieler kommen und deren Weg zeichnet sich bereits ab. Wir erleben einen unfassbaren Vertrauensverlust in den Verein und in die von ihm verpflichteten Spieler.

Niemand glaubt daran, dass man um Christian Pulisic oder Jadon Sancho ein neues Team bauen kann. Dortmund ist eine Durchgangsstation. Das führt zur Gleichgültigkeit unter den Fans, zu einer Phase des Stillstands im Verein, in einer Phase, die eigentlich zur Erneuerung genutzt werden müsste.

Wie meinen Sie das?

Der Ballspielverein kämpft so mit sich, ringt um den Weg zurück in die europäische Spitzenklasse, der sie ja noch im vergangenen April angehört haben. Der jetzt aber bereits versperrt scheint. Im Sommer war man mit den Nachwirkungen des Anschlags auf die Mannschaft beschäftigt, lag seit Monaten im Clinch mit Tuchel und verpasste es, Aubameyang zu verkaufen, oder zumindest neben ihm einen Nachfolger aufzubauen. Dazu der Fehlgriff mit Bosz, und jetzt Stöger. Nebenbei kommt immer mehr Geld in den Markt.

Niemand ist mehr da, der die Seele des Vereins streichelt. Kein Josef Schneck, kein Jürgen Klopp. Alles ist Vergangenheit, nichts ist mehr Zukunft. Der BVB lebt von seinem Briefkopf und fünf Jahre alten Four Four Two-Geschichten. Ich sehe schwarz.

Wieso?

Weil ja sogar kurzfristig nur Reus den Erfolg zurückbringen kann. Eine Spielidee, die auf wenige Abschlüsse setzt, muss zumindest einen Spieler haben, der aus wenigen Chancen ein paar Tore macht. Wird man jetzt auf 7 einlaufen, und sich umschauen. Schade. Aber nicht zu ändern. Und im Prinzip auch egal.

Wieso?

Weil niemand mehr ins Stadion kommt!

Das war schon 2008 so.

Und ist jetzt wieder so. Der Fußball ist vergiftet. Ich habe schon lange den Überblick verloren, an welchen Fronten welche Kämpfe gerade verloren werden. Die Bundesliga ist durch die Dominanz der Bayern langweilig geworden, Liga-Boss Seifert selbst empfahl kürzlich allen, alles auf Bayern zu setzen. Sie sind der Leuchtturm. Hinterm Deich stehen dann ein paar Ferienhäuser, in die sich andere Vereine immer mal wieder einmieten, und sich auf kurzen Spaziergängen dann einmal auf die Deichspitze stellen, die Aussicht genießen, und von der ersten Welle weggespült werden.

Dortmund hat beim Versuch, einen Leuchtturm zur errichten, die Identität aufgegeben und Schaden genommen. Andere Klubs unternehmen diesen erst gar nicht mehr. Der Sonderfall Leipzig verschwindet bald auch im Mittelmaß. Ralf Rangnick hat noch nie nachhaltig gewirtschaftet. Es gibt also keinen Wettbewerb, die Eintrittspreise steigen weiter, die Gängelung der Fans hält an, es gibt nur noch Drama, aber keinen VAR mehr. Der hat in der Winterpause unbemerkt seinen Dienst eingestellt. Die Spieltage werden weiter zerstückelt.

Der WM-Skandal wird nie aufgeklärt werden. Und natürlich geht es dann da auch die Internationalisierung. Kurzum: Die Liga hat schwere Fehler gemacht. Sie ist blind vor Gier nach noch mehr Geld von ihrem Weg abgewichen. Dieser Weg hieß: Wettbewerb, volle Stadien, günstige Eintrittspreise. Jetzt heißt es eben: Kein Wettbewerb, okay gefüllte Stadien, nicht mehr so günstige Eintrittspreise. Das könnte man alles akzeptieren, gäbe es den Wettbewerb noch. Den gibt es nicht mehr.

Dabei bemühen sich doch gerade die Bayern, die Ehre der Liga zu retten. In einem selbstlosen Akt verpflichten sie Leon Goretzka, der somit nicht in Liverpool, sondern weiter in der Bundesliga spielt.

Und Jupp Heynckes, der alles weiß, kommentiert eifrig. Und die Fans meckern, und abgehobene Journalisten kritisieren das, Karl-Heinz Rummenigge lässt sich als Retter der Liga feiern, und man kann nicht einmal mehr mit dem Kopf schütteln.

Die Fans haben Goretzkas Leben bedroht. Das beweisen Aufnahmen vom Trainingsgelände. Dabei stammt Goretzka aus Bochum und zieht jetzt weiter.

Wir alle stammen irgendwo her und ziehen weiter. So ist das menschliche Leben ausgelegt. Manchmal enttäuschen wir mit unseren Entscheidungen andere Menschen, dann müssen wir mit den Konsequenzen leben. Waren ja auch Kinder vor Ort. Alle haben an die Kinder gedacht! Alles gut. Ihm ist nichts passiert. I repeat: Ihm ist nichts passiert! Und er wird es überleben.

Blicken wir noch kurz nach Hamburg.

Nein. Die Situation ist zu dringend, um schlechte Witze zu machen. Hamburg ist schon lange ein Mahnmal. Wenn Sie jetzt absteigen, werden sie sich nicht mehr erholen. Kann das jemand ernsthaft wollen? Bremen würde sich auch nicht erholen. Köln schon. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Das ist alles sehr traurig.

Dann beenden wir das an dieser Stelle.

Das ist gut so. Beste Grüße aus der Lausitz.